Fellwechsel Pferd

Fellwechsel Pferd: Der vollständige Ratgeber für Pferdebesitzer

Kurz & knapp: Der Fellwechsel beim Pferd wird nicht durch die Temperatur ausgelöst, sondern durch die Tageslichtlänge, gesteuert über die Zirbeldrüse und das Hormon Melatonin. Er beginnt bereits Wochen vor dem sichtbaren Haarausfall, stellt den Stoffwechsel vor eine echte Aufgabe und lässt sich durch gezielte Fütterung, konsequente Fellpflege und ein angepasstes Management wirkungsvoll unterstützen. In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du als Pferdebesitzer wissen musst – von der Biologie über die Ernährung bis hin zu Warnsignalen, bei denen der Tierarzt gefragt ist.

Pferdefell

1. Was passiert beim Fellwechsel? Die Biologie dahinter

Der Fellwechsel beim Pferd ist kein simples „Haare verlieren". Er ist ein komplexer, hormonell gesteuerter Umbauprozess, bei dem – Mähne und Schweif ausgenommen – das gesamte Haarkleid erneuert wird. Dabei geht es um weit mehr als Optik: Die Haut ist das größte Organ des Pferdes und übernimmt zentrale Aufgaben in der Thermoregulation und Immunabwehr. Ein intaktes Haut- und Haarkleid bildet die erste Verteidigungslinie des Körpers gegen Kälte, Nässe, UV-Strahlung, Parasiten und Krankheitserreger. Entsprechend anspruchsvoll ist der Prozess, bei dem dieser komplett erneuert wird. Um zu verstehen, warum manche Pferde diese Phase mühelos durchlaufen und andere damit kämpfen, lohnt sich ein Blick auf die biologischen Zusammenhänge.

Das Licht gibt das Signal – nicht die Kälte


Einer der hartnäckigsten Irrtümer rund um den Fellwechsel: Viele Pferdebesitzer glauben, steigende oder sinkende Temperaturen würden den Prozess in Gang setzen. Tatsächlich ist der primäre Taktgeber die sogenannte Photoperiode – also die Veränderung der Tageslichtdauer im Jahresverlauf.

Im Gehirn des Pferdes sitzt die Zirbeldrüse (Glandula pinealis), ein kleines, lichtempfindliches Organ. Sie registriert über die Augen, ob die Tage kürzer oder länger werden, und reguliert daraufhin die Ausschüttung mehrerer Hormone – allen voran Melatonin, aber auch Prolaktin, das ebenfalls eine regulierende Funktion im Haarzyklus übernimmt. Melatonin kennen die meisten als „Schlafhormon", aber es hat beim Pferd eine viel umfassendere Funktion: Es steuert den Biorhythmus, beeinflusst die Fortpflanzung – und eben auch den Fellwechsel. Das Zusammenspiel dieser hormonellen Signale bestimmt, wann neues Haar gebildet wird, wie schnell es wächst und wann das alte Fell abgestoßen wird.


Werden die Tage nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember wieder länger, sinkt die Melatoninproduktion. Dieses hormonelle Signal veranlasst die Haarfollikel, das bestehende Winterfell abzustoßen und die Bildung eines neuen, leichteren Sommerfells einzuleiten. Werden die Tage ab der Sommersonnenwende am 21. Juni wieder kürzer, steigt die Melatoninproduktion – und der Körper beginnt, dichtes Winterfell aufzubauen.

Die Temperatur spielt dabei eine untergeordnete, aber durchaus relevante Rolle: Sie beeinflusst die Geschwindigkeit des Fellwechsels und die Dichte des Fells. Ein Kälteeinbruch im März kann den Prozess vorübergehend bremsen. Pferde, die ganzjährig im Offenstall den natürlichen Witterungsbedingungen ausgesetzt sind, entwickeln in der Regel ein deutlich dichteres und längeres Winterfell als Pferde in Boxenhaltung unter Kunstlicht. Aber den Startschuss gibt das Licht – nicht das Thermometer.

Der Haarzyklus: Drei Phasen, ein Prinzip

Jedes einzelne Pferdehaar durchläuft seinen eigenen Lebenszyklus, der sich in drei Phasen gliedert:

Phase 1
Anagenphase
Wachstumsphase
Die Haarwurzel ist aktiv, gut durchblutet und bildet neues Haar. Beim Pferd erstreckt sich diese Phase über etwa drei bis sieben Monate. In diesem Zeitraum ist die Versorgung mit Nährstoffen entscheidend – Mängel an Zink, Aminosäuren oder B-Vitaminen werden hier sichtbar, weil das Haar für sein Wachstum auf eine kontinuierliche Zufuhr angewiesen ist.
Phase 2
Katagenphase
Übergangsphase
Das Haarwachstum kommt zum Stillstand. Die Haarwurzel löst sich von ihrer Blutversorgung, das Haar wird zum sogenannten Kolbenhaar. Dieser Abschnitt dauert circa zwei bis drei Wochen.
Phase 3
Telogenphase
Ruhe- und Abstoßungsphase
Das alte Haar ruht in der Haut und wird schließlich durch das nachrückende neue Haar herausgeschoben. Während des saisonalen Fellwechsels befinden sich viele tausend Haarfollikel gleichzeitig in dieser Phase – das erklärt die typischen Haarwolken, die beim Putzen entstehen.

Was das konkret bedeutet: Wenn im Februar oder März die ersten losen Haare am Striegel hängen, ist die eigentliche Arbeit längst im Gange. Die neuen Sommerhaare wurden bereits im tiefsten Winter unter der Hautoberfläche gebildet. Das Zeitfenster, in dem du über die Fütterung die Qualität des neuen Fells beeinflussen kannst, liegt also deutlich vor dem sichtbaren Haarverlust.

2. Wann beginnt der Fellwechsel ?

Der Fellwechsel-Kalender: Was passiert wann


Den Fellwechsel als klar abgegrenztes Ereignis zu betrachten, greift zu kurz. Tatsächlich ist es ein fließender Prozess, der sich über Monate erstreckt. Die folgende Übersicht zeigt die typischen Phasen im Jahresverlauf:

Der Fellwechsel-Kalender
❄️
Dezember – Januar
Ab der Wintersonnenwende am 21. Dezember werden die Tage wieder länger. Unter der Hautoberfläche beginnen die Haarfollikel mit der Bildung neuer Sommerhaare. Äußerlich ist davon noch nichts zu sehen – das Pferd steht in vollem Winterfell.
🌱
Februar – März
Die neuen Haare schieben die alten Winterhaare zunehmend heraus. Jetzt wird der Fellwechsel sichtbar: Erst fallen die langen Oberhaare, dann die dichte Unterwolle. Viele Pferdebesitzer bemerken den Fellwechsel erst in dieser Phase.
🌸
April – Mai
Bei den meisten gesunden Pferden ist der Frühjahrsfellwechsel abgeschlossen. Das kurze, glänzende Sommerfell liegt an. Pferde, die jetzt noch deutlich struppiges Winterfell tragen, sollten tierärztlich untersucht werden.
☀️
Juni – Juli
Ab der Sommersonnenwende am 21. Juni werden die Tage wieder kürzer. Der Körper beginnt mit der Produktion des Winterfells – zunächst unmerklich. Das feine Sommerhaar wird langsam länger, zusätzliche Unterwollhaare werden gebildet.
🍂
August – Oktober
Der Herbstfellwechsel wird sichtbar. Das Sommerfell fällt flaumig aus, darunter schiebt sich das zunehmend dichtere Winterfell nach.
🧣
November – Dezember
Das Winterfell ist weitgehend ausgebildet. Das Pferd steht im typischen Plüschpelz.

Wie lange dauert der Fellwechsel ?


Die Dauer ist individuell und hängt von mehreren Faktoren ab: Rasse, Alter, Haltungsform, Ernährungszustand und Gesundheit des Pferdes. Als Orientierung gilt: Der Frühjahrsfellwechsel dauert in der Regel länger als der Herbstwechsel – oft vier bis acht Wochen, in manchen Fällen auch mehrere Monate. Der Herbstfellwechsel verläuft meist zügiger, da das Pferd weniger Haar verliert und stattdessen neues Fell nachschiebt.


Warum der Fellwechsel manchmal ins Stocken gerät


Ein plötzlicher Kälteeinbruch im Frühjahr kann den Fellwechsel vorübergehend pausieren. Der Körper „bremst" gewissermaßen den Prozess, weil das Winterfell noch gebraucht werden könnte. Sobald die Temperaturen wieder steigen, geht es weiter. Auch Stress – etwa durch Stallwechsel, Transport oder intensives Training – kann den Fellwechsel verlangsamen. Eine dauerhaft schleppende oder unvollständige Haarablösung hingegen deutet auf tieferliegende Ursachen hin (mehr dazu im Abschnitt zu Warnsignalen).


3. Frühjahrsfellwechsel vs. Herbstfellwechsel: Die Unterschiede

Obwohl das Pferd zweimal im Jahr sein Fell wechselt, sind die beiden Phasen nicht gleichartig.

Frühjahrsfellwechsel
🌱 Im Frühjahr
Kompletter Tausch – hohe Belastung
Im Frühjahr wird das komplette Winterhaarkleid abgestoßen – Oberhaare und die dichte, isolierende Unterwolle. Das geschieht etappenweise und produziert die bekannten Berge an Haaren, die beim Putzen anfallen. Die Belastung für den Stoffwechsel ist in dieser Phase am höchsten: Der Körper muss nicht nur massenhaft altes Haar abstoßen, sondern gleichzeitig enorme Mengen an Energie, Aminosäuren und Mineralstoffen für den Aufbau des neuen Sommerfells bereitstellen – eine Doppelbelastung, die den Frühjahrswechsel deutlich kräftezehrender macht als sein herbstliches Pendant. Außerdem fällt der Frühjahrsfellwechsel in eine Jahreszeit, in der die Weiden noch nicht in der vegetativen Phase sind – dem Pferd fehlen also die frischen Nährstoffe aus dem Weidegras, während der Bedarf gerade erhöht ist.
Herbstfellwechsel
🍂 Im Herbst
Aufrüsten – moderate Belastung
Im Herbst fällt deutlich weniger Haar aus. Das kurze Sommerfell wird abgestoßen, während darunter das dichtere Winterfell nachgeschoben wird. Es handelt sich also weniger um einen „Tausch" als um ein „Aufrüsten". Die Haarmengen sind geringer, der Nährstoffbedarf aber trotzdem erhöht – denn der Aufbau der Unterwolle kostet Energie und Baustoffe.

Wichtig zu wissen: Mähne, Schweif und die Tasthaare rund um Maul und Augen sind vom saisonalen Fellwechsel nicht betroffen. Sie unterliegen einem eigenen, deutlich langsameren Haarzyklus.

4. Symptome richtig einordnen: Normal oder bedenklich?

Während des Fellwechsels zeigen die meisten Pferde typische Begleiterscheinungen. Die Kunst besteht darin, zwischen normalen Anzeichen und echten Warnsignalen zu unterscheiden.


Normale Begleiterscheinungen


Vermehrter Haarausfall ist das offensichtlichste Zeichen – und vollkommen natürlich. Besonders beim Frühjahrsfellwechsel können die Haarmengen beeindruckend sein. Juckreiz gehört ebenfalls dazu: Die nachrückenden Haare reizen die Haut, weshalb Pferde sich in dieser Phase vermehrt schubbern, beknabbern und wälzen. Eine leichte Schuppenbildung kann auftreten, weil sich die Hautoberfläche verstärkt erneuert. Und auch eine gewisse Mattigkeit ist normal – der Stoffwechsel arbeitet auf erhöhtem Niveau, was dazu führt, dass manche Pferde vorübergehend etwas weniger leistungsbereit wirken.


Verhaltensveränderungen


Der Fellwechsel beansprucht nicht nur den Körper, sondern kann sich auch auf die Stimmung des Pferdes auswirken. Manche Pferde sind im Fellwechsel gereizter oder weniger kooperativ beim Reiten. Andere zeigen verminderten Appetit oder wirken insgesamt unruhiger. Das ist in einem gewissen Rahmen normal und kein Grund zur Sorge – vorausgesetzt, die Symptome sind vorübergehend und nicht extrem ausgeprägt.


Ab wann du genauer hinschauen solltest:


Stumpfes, struppiges Fell, das über Wochen keine Besserung zeigt, auffälliger Gewichtsverlust, anhaltender Husten, kreisrunde kahle Stellen, stark angelaufene Beine oder deutliche Apathie gehen über das hinaus, was ein normaler Fellwechsel verursacht. In diesen Fällen solltest du die Ursachen abklären lassen (ausführlich im Abschnitt zu Problemen und Warnsignalen).

5. Fütterung im Fellwechsel: Welche Nährstoffe wirklich zählen

Über die Fütterung im Fellwechsel wird in der Pferdebranche viel geschrieben und vieles davon ist stärker vom Marketing als von Fachkenntnis getrieben. Hier ein differenzierter Blick auf die Nährstoffe, die nachweislich eine Rolle spielen, und eine realistische Einordnung, was dein Pferd tatsächlich braucht.

Die Basis: Hochwertiges Raufutter


Bevor über Zusatzfutter nachgedacht wird, muss die Grundlage stimmen – denn eine durchdacht zusammengestellte, am tatsächlichen Bedarf orientierte Fütterung ist und bleibt die wirksamste Stellschraube für einen reibungslosen Fellwechsel. Die mit Abstand wichtigste Futterkomponente für jedes Pferd ist qualitativ hochwertiges, hygienisch einwandfreies Heu. Es liefert Rohfaser, Eiweiß und – bei guter Qualität – einen Teil der benötigten Mineralstoffe und Vitamine. Allerdings verliert Heu über die Wintermonate durch Lagerung an Vitaminen und essenziellen Fettsäuren. Genau in diese Phase fällt der Frühjahrsfellwechsel – was erklärt, warum eine gezielte Ergänzung in vielen Fällen sinnvoll ist.

Pferde fressen Heu

Die Schlüsselnährstoffe im Überblick

Essentielle Aminosäuren – die tatsächlichen Bausteine des Haares
Pferdehaar besteht zu rund 90 Prozent aus dem Strukturprotein Keratin. Für dessen Aufbau benötigt der Körper schwefelhaltige Aminosäuren, insbesondere Methionin und Cystein, denn sie liefern den Schwefel, der die Keratinfasern stabilisiert und quervernetzt. Eine Schlüsselrolle spielt außerdem Lysin: Es ist zwar nicht direkt am Keratinaufbau beteiligt, gilt aber als erstlimitierende Aminosäure im Proteinstoffwechsel des Pferdes. Fehlt Lysin, kann der Körper auch die vorhandenen schwefelhaltigen Aminosäuren nicht effizient für die Haarbildung nutzen. Da Pferde diese essenziellen Aminosäuren nicht selbst herstellen können, müssen sie über die Nahrung zugeführt werden. Gute Quellen sind Luzerne, Leinsamen und Bierhefe.
Zink – Schlüsselrolle in der Keratinbildung
Das Spurenelement Zink ist an der Zellteilung und Keratinsynthese beteiligt und damit für den Fellwechsel unverzichtbar. Da die Versorgung über reines Raufutter in der Regel nicht ausreicht, empfiehlt sich die Ergänzung über ein hochwertiges Mineralfutter – idealerweise mit organisch gebundenem Zink, da es besser bioverfügbar ist.

Gut zu wissen: Anorganische Formen wie Zinkoxid oder Zinksulfat sind kostengünstiger, werden aber vom Organismus schlechter aufgenommen und können sich im Darm gegenseitig in der Resorption blockieren. Organisch gebundene Formen – etwa Zink-Chelate, Zink-Glycinat oder Zink-Methionat – sind an Aminosäuren oder Peptide gekoppelt und nutzen dadurch andere Aufnahmewege, was ihre Bioverfügbarkeit erhöht.

Ein Blick auf die Deklaration: Steht dort beispielsweise „Zinkglycinat-Hydrat" oder „Zinkchelat", handelt es sich um organisch gebundene Formen. Steht nur „Zinkoxid" oder „Zinksulfat", ist die anorganische Variante enthalten.

Wichtig: Zink sollte nicht isoliert und nicht auf Verdacht hochdosiert gefüttert werden – eine Überdosierung belastet Leber und Nieren und kann die Aufnahme anderer Spurenelemente wie Kupfer beeinträchtigen.
Kupfer – für Pigmentierung und Struktur
Kupfer wird für die Keratinsynthese und die Pigmentbildung im Haar benötigt. Pferde mit Kupfermangel entwickeln mitunter die typische „Kupferbrille" – helle Ringe rund um die Augenpartie. Die Dosierung erfordert Fingerspitzengefühl, da ein Überschuss an Kupfer wiederum die Zinkaufnahme hemmen kann.
Biotin und B-Vitamine
Biotin unterstützt die Ausreifung der Zellen, die Keratin bilden. In einem gesunden Pferdedarm werden B-Vitamine in der Regel in ausreichender Menge durch die Darmmikroben produziert. Ist die Darmflora jedoch gestört – etwa durch Futterumstellungen, Antibiotika-Gabe oder minderwertige Silage – kann eine Ergänzung sinnvoll sein.

Wichtig: Biotin allein zu füttern und alle anderen Nährstoffe zu vernachlässigen, bringt wenig: Biotin entfaltet seine Wirkung erst im Zusammenspiel mit den anderen Mikronährstoffen.
Selen und Vitamin E – Zellschutz
Selen und Vitamin E wirken synergistisch als Antioxidantien und schützen die Zellen vor oxidativem Stress – auch die Zellen der Haarfollikel. Ein Selenmangel kann das Immunsystem schwächen und den Fellwechsel erschweren.

Achtung: Selen ist ein Spurenelement mit einer sehr engen therapeutischen Breite: Zwischen Mangel und Überdosierung liegen nur geringe Mengen. Die Dosierung sollte sich an den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) orientieren.
Omega-3-Fettsäuren – für die Hautbarriere
Die Haut ist das größte Organ des Pferdes und bildet die Grundlage für gesundes Haarwachstum. Omega-3-Fettsäuren halten die Haut geschmeidig, stärken ihre natürliche Barrierefunktion und wirken entzündungshemmend. In der grasfreien Winterzeit fehlen diese Fettsäuren häufig in der Ration, da Heu im Vergleich zu frischem Weidegras deutlich weniger davon enthält.

Tipp: Leinöl ist die ideale Ergänzung: Es enthält mit rund 52 Prozent einen besonders hohen Anteil an Alpha-Linolensäure und bietet gleichzeitig ein günstiges Omega-3-zu-Omega-6-Verhältnis.
Vitamin A und Beta-Carotin
Vitamin A fördert die Durchblutung der Haut und ist an der Regeneration der Hautzellen beteiligt. Da Pferde Vitamin A nicht direkt aufnehmen, sondern über Beta-Carotin aus dem Futter synthetisieren, kann die Versorgung in der grasfreien Zeit knapp werden.

Hausmittel-Tipp: Karotten mit einem Schuss Leinöl sind ein einfaches und kostengünstiges Mittel, um die Beta-Carotin-Versorgung zu verbessern.

Die Rolle der Leber

Die Leber wird oft als „Zentrallabor" des Körpers bezeichnet – und das aus gutem Grund. Sie speichert und verteilt Nährstoffe, filtert Schadstoffe und ist am Eiweißstoffwechsel beteiligt. Im Fellwechsel läuft die Proteinsynthese auf erhöhtem Niveau, was die Leber stärker fordert. War diese über den Winter durch minderwertige Futterqualität, Wurmkuren, Medikamente oder schimmelpilzbelastetes Heu bereits beansprucht, kann sich das im Fellwechsel durch stumpfes Fell, Mattigkeit oder Hautprobleme zeigen.


Wasser - der unterschätzte Faktor

Ein Nährstoff, der in der Diskussion um den Fellwechsel regelmäßig übersehen wird, ist Wasser. Dabei ist eine ausreichende Wasseraufnahme die Grundvoraussetzung dafür, dass der Zellstoffwechsel reibungslos funktioniert und damit auch die Nährstoffversorgung der Haarfollikel. Im Fellwechsel arbeitet der Stoffwechsel auf erhöhtem Niveau, was den Wasserbedarf zusätzlich steigert.

Das Problem: Genau in der Phase des Frühjahrsfellwechsels trinken viele Pferde zu wenig. Nach einem langen Winter haben sie sich an kaltes Tränkewasser gewöhnt, und eiskaltes Wasser senkt die Trinkbereitschaft nachweislich. Studien zeigen, dass Pferde deutlich mehr trinken, wenn die Wassertemperatur zwischen 7 und 18 Grad Celsius liegt, als bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Gleichzeitig fehlt im Winterhalbjahr die Wasseraufnahme über frisches Weidegras, denn Heu enthält nur rund 10 Prozent Feuchtigkeit, während Gras bis zu 75 Prozent Wasser liefert.

Praktisch bedeutet das: Darauf achten, dass die Selbsttränke funktioniert und nicht vereist ist, gegebenenfalls Wasser temperieren, und bei Pferden mit bekannt geringer Trinkfreude eingeweichte Heucobs oder ein Mash anbieten, um die Flüssigkeitszufuhr über das Futter zu erhöhen


Pferde Mineralfutter

Darmgesundheit - die Basis der Nährstoffverwertung

Die beste Mineralstoff- und Eiweißversorgung bringt wenig, wenn der Darm die zugeführten Nährstoffe nicht effizient verwerten kann. Das Pferd ist ein Dickdarmfermentierer: Rund 50 bis 70 Prozent seines Energiebedarfs werden über kurzkettige Fettsäuren gedeckt, die von Mikroorganismen im Blinddarm und Dickdarm durch die Fermentation von Rohfaser produziert werden. Darüber hinaus synthetisieren diese Darmmikroben B-Vitamine, die unter anderem für die Keratinbildung relevant sind.

Ist diese mikrobielle Gemeinschaft gestört, etwa durch abrupte Futterumstellungen, minderwertiges Raufutter, Stress, Antibiotika-Gaben oder Wurmkuren, spricht man von einer Dysbiose. Die Folge: Die Nährstoffaufnahme wird ineffizienter, die B-Vitamin-Produktion sinkt und der gesamte Stoffwechsel arbeitet unter seinen Möglichkeiten. Im Fellwechsel kann sich das durch stumpfes Fell, verlangsamten Haarwuchs oder erhöhte Infektanfälligkeit der Haut zeigen.

Was die Darmgesundheit im Fellwechsel unterstützt, ist wenig spektakulär, aber wirkungsvoll: eine stabile, rohfaserbasierte Grundfütterung ohne häufige Wechsel, ausreichend Heu in guter Qualität und - wenn nötig - Futtermittel mit prebiotischer Wirkung wie Leinsamen oder Bierhefe, die das mikrobielle Milieu im Dickdarm positiv beeinflussen können.


Eine ehrliche Einordnung

In der Pferdefutter-Industrie wird der Fellwechsel nicht selten als medizinischer Ausnahmezustand dargestellt, für den dringend dieses oder jenes Spezialprodukt benötigt wird. Die Realität sieht differenzierter aus: Ein gesundes Pferd, das ganzjährig mit qualitativ hochwertigem Raufutter und einem bedarfsgerechten Mineralfutter versorgt wird, bewältigt den Fellwechsel in der Regel ohne aufwendige Zusatzprogramme. Die Neubildung des Fells erstreckt sich über Monate – es ist kein plötzlicher Nährstoff-Peak, sondern ein gradueller Prozess.

Gezielte Ergänzungen sind dann sinnvoll, wenn das Pferd zu einer Risikogruppe gehört (Senioren, chronisch kranke Pferde, Sportpferde mit hoher Belastung), wenn die Heuqualität unterdurchschnittlich ist oder wenn ein Blutbild tatsächlich Mängel aufzeigt. „Viel hilft viel" ist bei der Supplementierung fehl am Platz – jedes Zuviel belastet den Organismus ebenso wie ein Zuwenig.

6. Kräuter und natürliche Futterzusätze

Neben der Grundfütterung und Mineralstoffversorgung gibt es eine Reihe pflanzlicher Futterzusätze, die den Fellwechsel unterstützen können. Hier die wichtigsten – mit einer realistischen Einordnung.

Leinsamen und Leinöl – Omega-3, Eiweiß und Verdauung
Leinsamen und Leinöl gehören zu den wertvollsten natürlichen Futtermitteln im Fellwechsel. Leinsamen liefert Omega-3-Fettsäuren, hochwertiges Eiweiß und Schleimstoffe, die sich positiv auf die Verdauung auswirken. Dunkle Leinsamen sollten vor der Fütterung aufgekocht oder geschrotet werden, da sie cyanogene Glukoside enthalten – eine Vorstufe der Blausäure, die beim Kochen unschädlich wird.

Dosierung: Leinöl bietet eine praktische Alternative: 30 bis 50 Milliliter täglich, langsam einschleichend dosiert, reichen für die meisten Pferde aus.
Mariendistel – Leberschutz und Zellregeneration
Mariendistel enthält den Wirkstoff Silymarin, der die Membranen der Leberzellen stabilisiert und deren Regeneration fördern kann. Im Kontext des Fellwechsels wird sie häufig als „Leberkraut" empfohlen.

Wichtig: Der populäre Begriff „Entgiftungskur" ist wissenschaftlich nicht definiert. Eine gesunde Leber erfüllt ihre Entgiftungsfunktion eigenständig. Mariendistel kann ergänzend wirken, ist aber kein Pflichtbestandteil für jedes Pferd.
Brennnessel – natürlicher Mineralstoff-Lieferant
Brennnessel ist ein natürlicher Mineralstoff-Lieferant mit hohem Gehalt an Eisen, Calcium, Kalium und Vitamin C. Sie fördert die Durchblutung der Haut und regt den Stoffwechsel an – beides kann im Fellwechsel unterstützend wirken.

Anwendung: Getrocknete Brennnessel lässt sich unkompliziert dem Kraftfutter beimischen.
Löwenzahn – Stoffwechsel und Nierenfunktion
Löwenzahn liefert unter anderem Vitamin A, B und C sowie Kupfer, Zink und Bitterstoffe. Er regt Nierenfunktion und Stoffwechsel an und wird traditionell als Frühjahrskur eingesetzt.

Hinweis: Da Löwenzahn entwässernd wirkt, sollte der Trinkwasserbedarf im Blick behalten werden.
Bierhefe – B-Vitamine, Aminosäuren und Darmflora
Bierhefe verdient im Fellwechsel besondere Beachtung: Sie liefert neben B-Vitaminen vor allem hochwertiges, leicht verdauliches Eiweiß mit allen essenziellen Aminosäuren – also genau jene Bausteine, die der Körper für die Keratinproduktion braucht. Gleichzeitig unterstützt Bierhefe eine gesunde Darmflora, was die Nährstoffverwertung insgesamt verbessert.

7. Fellpflege: Warum Putzen mehr bringt als jedes Zusatzfutter

Kein Ergänzungsfutter der Welt ersetzt regelmäßiges, gründliches Putzen. Das hat handfeste physiologische Gründe, die über das bloße Entfernen loser Haare hinausgehen.

Durchblutung als Schlüssel


Bürsten und Striegeln regen die Durchblutung der Haut an. Eine gut durchblutete Haarpapille – das ist die Versorgungseinheit an der Haarwurzel – bildet kräftigere und gesündere Haare. Gleichzeitig wird der Abtransport von Stoffwechselprodukten über das Lymphsystem gefördert, was einer Überlastung der Haut entgegenwirkt.


Mechanisches Lösen und Hautgesundheit


Loses Winterfell, das nicht entfernt wird, kann unter der dichten Haarschicht ein feucht-warmes Mikroklima erzeugen – ein idealer Nährboden für Hautpilze und bakterielle Infektionen. Regelmäßiges Putzen beugt dem vor, lindert den Juckreiz und ermöglicht der Haut, ihre Schutzfunktion (Talgproduktion, Barrierefunktion) ungehindert zu erfüllen.

Pferd wird geputzt

Beobachtungsfunktion

Gründliches Putzen ist gleichzeitig die beste Gesundheitskontrolle. Hautveränderungen wie Schuppen, kahle Stellen, erste Anzeichen von Mauke oder Ekzeme fallen beim intensiven Kontakt mit dem Pferd frühzeitig auf – oft lange bevor sie von außen sichtbar sind.


Praktische Tipps

Im Fellwechsel eignet sich ein Fellwechselstriegel oder Shedding-Tool besser als eine weiche Bürste, um die Unterwolle effektiv zu lösen. Immer mit dem Haarstrich arbeiten und an empfindlichen Stellen – Bauch, Innenschenkel, Kopf – vorsichtiger sein. Die Wahl des richtigen Werkzeugs macht dabei einen spürbaren Unterschied: Gummistriegel mit Noppen massieren die Haut sanft und verbessern die Mikrozirkulation, während Metallstriegel und Shedding-Blades vor allem bei dicker Unterwolle effektiv arbeiten. Wer gezielt mit kreisenden Bewegungen striegelt, kombiniert das Entfernen loser Haare mit einer Massage, die die Durchblutung bis in die tieferen Hautschichten anregt – ein Effekt, der sich positiv auf die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln auswirkt. Beim Putzen im Stall darauf achten, dass die losen Haare nicht in der Box landen und vom Pferd mitgefressen werden; besser am Putzplatz oder draußen striegeln.


Waschen im Fellwechsel: Zurückhaltung ist angesagt

Ganzkörperwäschen sollten während des Fellwechsels möglichst vermieden werden. Die enormen Haarmengen verlängern die Trocknungszeit erheblich, und Shampoos können die natürliche Hautflora verändern, die in dieser Phase eine besonders wichtige Rolle bei der Abwehr von Hautinfektionen spielt.


Drainageputzen für das Lymphsystem

Das Lymphsystem transportiert Stoffwechselprodukte und Flüssigkeit aus dem Gewebe ab. Im Fellwechsel arbeitet es auf erhöhtem Niveau. Gezieltes Drainageputzen – gleichmäßige, sanfte Striche in Richtung Herz, besonders an den Beinen – kann den Lymphfluss unterstützen und der Entstehung von angelaufenen Beinen entgegenwirken.

8. Reiten und Training während des Fellwechsels

Der Fellwechsel ist kein Grund, das Pferd komplett in den Urlaub zu schicken – aber er ist ein guter Anlass, die Trainingsgestaltung bewusst an die körperliche Situation anzupassen.

Trainingsintensität mit Augenmaß

Wenn der Stoffwechsel durch den Fellwechsel zusätzlich gefordert ist, steht dem Körper weniger Energie für sportliche Höchstleistungen zur Verfügung. Pferde, die in dieser Phase matter oder weniger leistungsbereit wirken, sind nicht unmotiviert – ihnen fehlt schlicht die Reserve. Statt das Training komplett auszusetzen, empfiehlt es sich, die Intensität moderat zu reduzieren und das Pferd aufmerksam zu beobachten. Leichte Arbeit und abwechslungsreiche Bewegung (Ausritte, lockeres Trab-Galopp-Training, Bodenarbeit) halten den Kreislauf in Schwung, ohne den Organismus zu überfordern.


Abschwitzdecken und Temperaturmanagement

Eine der größten Gefahren im Fellwechsel ist das Auskühlen nach der Arbeit. Pferde, die im Frühjahr noch Reste ihres Winterfells tragen, schwitzen beim Training schneller und stärker. Gleichzeitig ist das Fell nicht mehr dicht genug, um das Pferd nach dem Schwitzen effektiv zu wärmen. Hier sind Abschwitzdecken unverzichtbar: Direkt nach dem Reiten auflegen und erst abnehmen, wenn das Pferd vollständig trocken ist. Besonders bei wechselhaftem Wetter oder Wind sollte das Pferd erst trocken zurück auf die Koppel oder in die Box.

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Aufwärm- und Cool-down-Phasen

Gerade in der Übergangszeit sind großzügige Aufwärm- und Abkühlphasen im Schritt wichtig. Im Herbst, wenn Pferde bereits dichtes Winterfell schieben, die Temperaturen aber tagsüber noch mild sind, besteht erhöhte Gefahr, dass das Pferd beim Reiten übermäßig schwitzt und sich anschließend erkältet. Eine wärmende Nierendecke für längere Schrittphasen bei kühlen Temperaturen kann sinnvoll sein, um den Rücken warm zu halten.

9. Eindecken im Fellwechsel: Wann sinnvoll, wann kontraproduktiv?

Kaum ein Thema wird unter Pferdebesitzern so kontrovers diskutiert wie das Eindecken und im Fellwechsel bekommt die Debatte zusätzliche Brisanz. Um die Frage sachlich einzuordnen, hilft ein Blick auf die Biologie.


  • Decken verhindern den Fellwechsel nicht.

Der Startschuss für den Fellwechsel wird, wie in Kapitel 1 beschrieben, durch die Tageslichtlänge gegeben, nicht durch die Außentemperatur. Ein Pferd unter einer Decke bekommt dasselbe Licht über die Augen wie ein uneingedecktes Pferd. Es wird also in beiden Fällen Winterfell bilden und im Frühjahr wieder abstoßen. Was Decken beeinflussen können, ist die Dichte und Länge des Winterfells: Studien zeigen, dass eingedeckte Pferde tendenziell etwas kürzeres Fell entwickeln als uneingedeckte, allerdings ist dieser Effekt begrenzt und nur in bestimmten Zeitfenstern messbar. Wer wirklich verhindern möchte, dass ein Pferd dichtes Winterfell aufbaut, muss über eine Verlängerung der Lichtphase arbeiten (Stallbeleuchtung), nicht über Decken.


  • Wann Eindecken im Fellwechsel sinnvoll ist:

Wenn das Winterfell im Frühjahr bereits großteils abgeworfen ist und ein Kälteeinbruch mit Nässe und Wind kommt, kann eine leichte Übergangsdecke das Pferd vor Auskühlung schützen, denn das neue Sommerfell bietet noch keinen ausreichenden Wetterschutz. Auch geschorene Pferde, Senioren und Pferde in schlechtem Ernährungszustand profitieren vom gezielten Eindecken, weil ihre Thermoregulation eingeschränkt ist.


  • Wann Eindecken kontraproduktiv wirkt: 

Zu frühes oder zu warmes Eindecken im Herbst kann dazu führen, dass das Pferd unter der Decke schwitzt, ohne die Feuchtigkeit effektiv loszuwerden. Dauerhaft feuchtes Fell unter der Decke ist ein idealer Nährboden für Hautpilze und bakterielle Infektionen, genau die Probleme, die im Fellwechsel ohnehin häufiger auftreten. Decken legen außerdem das Fell flach und verhindern, dass das Pferd seine natürliche Thermoregulation über das Aufstellen der Haare nutzen kann. Wer eindeckt, muss konsequent sein: tägliche Kontrolle, ob das Pferd unter der Decke schwitzt oder friert, und regelmäßiges Abnehmen der Decke zum Putzen und Lüften der Haut.

10. Fellwechsel nach Pferdetyp: Nicht jedes Pferd hat die gleichen Bedürfnisse

Ältere Pferde und Senioren


Für Senioren ist der Fellwechsel oft die anspruchsvollste Zeit des Jahres. Der Stoffwechsel arbeitet altersbedingt weniger effizient, Nährstoffe werden schlechter verwertet, und bestehende gesundheitliche Einschränkungen (Zahnprobleme, Gelenkbeschwerden, nachlassende Leberfunktion) verstärken sich. Ältere Pferde verlieren im Fellwechsel häufiger an Gewicht, weil der enorme Energiebedarf für die Fellneubildung die ohnehin knappen Reserven aufzehrt. Hier kann es sinnvoll sein, frühzeitig die Energiezufuhr zu erhöhen – etwa über Mash, aufgewertete Heucobs oder die Zugabe von hochwertigen Ölen. Auch Pferde in ganzjähriger Offenstallhaltung, die durch die eigenständige Thermoregulation ohnehin mehr Energie verbrauchen, profitieren im Fellwechsel häufig von einer gezielten energetischen Aufwertung der Ration. Senioren sollten zudem regelmäßig auf Cushing (PPID) untersucht werden, da ein verzögerter Fellwechsel eines der Leitsymptome dieser Erkrankung ist.


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Ein oft unterschätzter Faktor bei Senioren ist die Zahngesundheit. Pferde mit fortgeschrittenem Zahnverschleiß, fehlenden Backenzähnen oder scharfen Kanten können Heu und Raufutter nicht mehr ausreichend zerkleinern. Die Folge: Die Futterverwertung sinkt, und selbst eine bedarfsgerecht zusammengestellte Ration kommt nicht vollständig im Stoffwechsel an. Im Fellwechsel, wenn der Nährstoffbedarf ohnehin erhöht ist, kann das den Unterschied machen zwischen einem reibungslosen Prozess und einem schleppenden Fellwechsel mit Gewichtsverlust. Eine jährliche Zahnkontrolle durch den Tierarzt oder Pferdedentisten, idealerweise vor Beginn des Frühjahrsfellwechsels, ist deshalb gerade bei älteren Pferden keine optionale Maßnahme, sondern fester Bestandteil eines vorausschauenden Fellwechsel-Managements.

Sportpferde und Zuchtstuten

Sportpferde, die auch im Winter intensiv gearbeitet werden, sind häufig geschoren – der saisonale Fellwechsel verläuft dann uneinheitlicher und weniger ausgeprägt, da die Schur den natürlichen Rhythmus beeinflusst. Zuchtstuten, besonders hochtragende oder laktierende, haben durch den Fellwechsel eine zusätzliche Belastung auf einem ohnehin geforderten Stoffwechsel. Hier ist eine engmaschige Nährstoffversorgung besonders wichtig.

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Jungpferde und Fohlen

Jungpferde befinden sich noch im Wachstum und haben ohnehin einen erhöhten Nährstoffbedarf. Den Fellwechsel stecken sie in der Regel gut weg – vorausgesetzt, die Grundversorgung stimmt. Eine ausreichende Eiweißzufuhr ist in der Wachstumsphase besonders wichtig, da der Körper Aminosäuren parallel für Muskelaufbau und Fellbildung benötig.

Fohlen Fellwechsel

Robustrassen vs. Warmblüter

Robustrassen wie Isländer, Norweger, Haflinger oder Shetlandponys entwickeln naturgemäß ein deutlich dichteres Winterfell als Warmblüter oder Vollblüter. Der Frühjahrsfellwechsel kann bei ihnen besonders spektakulär und langwierig ausfallen. Gleichzeitig sind sie als leichtfuttrige Rassen besonders gefährdet für Stoffwechselerkrankungen wie EMS – eine Tatsache, die bei der Fütterungsanpassung im Fellwechsel berücksichtigt werden muss. Einfach „mehr Futter" ist hier der falsche Ansatz; stattdessen gezielt Qualität vor Quantität.

Islandpferd Winterfell
Warmblut Fell

Haltungsform: Offenstall vs. Box

Offenstallpferde, die den natürlichen Licht- und Temperaturverhältnissen ausgesetzt sind, entwickeln in der Regel ein dichteres, widerstandsfähigeres Fell und durchlaufen den Fellwechsel „naturgerechter" als Boxenpferde unter Kunstlicht. Gleichzeitig ist ihr Energiebedarf im Winter höher, weil sie die eigene Thermoregulation leisten müssen. Boxenpferde mit dünnerem Fell wechseln oft schneller, sind aber bei unerwarteten Kälteeinbrüchen nach dem Fellwechsel empfindlicher.

11. Probleme im Fellwechsel: Wann der Körper Alarm schlägt

Husten und Atemwegsprobleme


Husten im Fellwechsel hat zwei häufige Ursachen. Zum einen ist das Immunsystem durch den gesteigerten Stoffwechsel weniger schlagkräftig, sodass Pferde anfälliger für Atemwegsinfekte werden. Zum anderen steigt in geschlossenen Ställen die Belastung mit feinen Haarpartikeln und Staub erheblich an, wenn viele Pferde gleichzeitig Fell verlieren. Anhaltendes Husten sollte immer tierärztlich abgeklärt werden, da eine verschleppte Atemwegsproblematik beim Pferd – anders als eine Erkältung beim Menschen – ernste Folgen haben kann.

Mauke und Kotwasser


Mauke tritt während des Fellwechsels häufiger auf, besonders im Herbst. Die Haut als größtes Organ ist in dieser Phase stark beansprucht und damit anfälliger für bakterielle Infektionen, die sich in der feuchten Fesselbeuge festsetzen. Kotwasser kann ebenfalls im Zusammenhang mit dem Fellwechsel auftreten, da die erhöhte Stoffwechselaktivität auch den Magen-Darm-Trakt beeinflusst.

Angelaufene Beine und Lymphstau


Das Lymphsystem, das Stoffwechselprodukte aus dem Gewebe abtransportiert, arbeitet im Fellwechsel auf Hochtouren. Besonders an den Hinterbeinen kann es zu Stauungen kommen, die sich als dicke, aber weder warme noch druckempfindliche Beine zeigen. Regelmäßige Bewegung und Drainageputzen beugen vor. Falls die Schwellungen warm sind, schmerzhaft reagieren oder nicht zurückgehen, ist eine tierärztliche Untersuchung notwendig.

Gewichtsverlust


Einige Pferde verlieren im Fellwechsel spürbar an Gewicht, weil der Energiebedarf für die Fellproduktion die aufgenommene Futtermenge übersteigt. Besonders betroffen sind schwerfuttrige Pferde und Senioren. Hier sollte die Energiezufuhr frühzeitig – nicht erst bei sichtbarem Gewichtsverlust – angepasst werden.

Hautpilz und kahle Stellen


Kreisrunde, schuppige, haarlose Stellen im Fell sind kein normales Fellwechsel-Symptom, sondern ein deutlicher Hinweis auf eine Pilzinfektion. Im Fellwechsel ist das Risiko erhöht, da die Hautbarriere geschwächt ist. Saubere Putzutensilien, Decken und Schabracken sind in dieser Phase besonders wichtig, um das Übertragungsrisiko zu minimieren. Beim Verdacht auf Hautpilz sollte der Tierarzt konsultiert werden.


12. Cushing, EMS und der gestörte Fellwechsel

Cushing Fell Pferdehals
Cushing fell pferd

Ein verzögerter oder ausbleibender Fellwechsel – besonders wenn das Pferd bis weit in den Sommer hinein langes, lockiges Fell trägt – ist eines der bekanntesten Leitsymptome des Equinen Cushing-Syndroms (PPID, Pituitary Pars Intermedia Dysfunction). Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die eine übermäßige Ausschüttung des Hormons ACTH verursacht und den gesamten Hormonhaushalt des Pferdes durcheinanderbringt.


Neben dem gestörten Fellwechsel zeigen Cushing-Pferde häufig Muskelabbau, auffällige Fettdepots (besonders am Mähnenkamm und über den Augen), vermehrten Durst, eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen und ein erhöhtes Risiko für Hufrehe. Studien deuten darauf hin, dass ein erheblicher Anteil der Pferde über 15 Jahren von PPID betroffen ist – viele davon ohne offensichtliche Symptome in den frühen Stadien.


Wichtig: Nicht jeder langsame Fellwechsel bedeutet automatisch Cushing. Aber wenn ein älteres Pferd wiederholt Schwierigkeiten hat, sein Winterfell rechtzeitig abzulegen, sollte ein ACTH-Bluttest beim Tierarzt erfolgen. Cushing ist nicht heilbar, aber mit dem Medikament Pergolid und einer angepassten Fütterung (zucker- und stärkearm) gut managbar, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird. Außerdem kann das Pferd mit einer abgestimmten Hufbearbeitung und Auswahl des richtigen Hufschutzes unterstützt werden.


Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) tritt häufig gemeinsam mit Cushing auf und ist vor allem durch Übergewicht, Insulinresistenz und Hufrehe-Anfälligkeit gekennzeichnet. Auch bei EMS-Pferden kann der Fellwechsel erschwert ablaufen, da der Stoffwechsel insgesamt beeinträchtigt ist. Die Fütterung muss bei betroffenen Pferden besonders sorgfältig abgestimmt werden: zucker- und stärkereduziert, mit angepasster Energiezufuhr und regelmäßiger Bewegung.

13. Wann zum Tierarzt? Die Checkliste

Nicht jedes Problem im Fellwechsel erfordert sofort den Tierarzt. Aber es gibt klare Situationen, in denen professionelle Hilfe wichtig ist. Lass dein Pferd untersuchen, wenn eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:

  • Der Fellwechsel ist im Mai noch nicht abgeschlossen und das Pferd trägt noch deutlich Winterfell

  • Das Pferd verliert auffällig an Gewicht, obwohl es ausreichend Futter bekommt

  • Kreisrunde kahle Stellen oder starke Schuppenbildung deuten auf Hautpilz hin

  • Anhaltender Husten über mehr als einige Tage – insbesondere bei gleichzeitiger Mattigkeit

  • Stark angelaufene Beine, die warm oder druckempfindlich sind

  • Allgemeine Apathie, Leistungsverweigerung oder Infektanfälligkeit, die über die normale Fellwechsel-Mattigkeit hinausgeht

  • Verdacht auf Cushing/PPID: langes, lockiges Fell im Sommer, Muskelabbau, vermehrtes Trinken (besonders bei Pferden ab ca. 15 Jahren)

  • Mauke oder Ekzeme, die sich trotz Pflege nicht bessern

Tipp: Eine Blutuntersuchung (Mineralstoff- und Hormonstatus) gibt in den meisten Fällen schnell Aufschluss über die Ursache und ermöglicht eine gezielte Behandlung, statt auf Verdacht zu supplementieren.

14. Was du tun kannst – und was du lassen solltest

Empfehlung
Sinnvoll und empfehlenswert
Regelmäßig und gründlich putzen – im Fellwechsel mindestens jeden zweiten Tag, am besten täglich
Heuqualität im Blick behalten – nach einem langen Winter können die Nährstoffgehalte im Heu deutlich abgesunken sein
Mineralfutter bedarfsgerecht einsetzen – ein gutes Basismineralfutter mit organisch gebundenen Spurenelementen (Zink, Kupfer, Selen, Mangan) deckt die Grundversorgung ab
Eiweißversorgung sicherstellen – Lysin, Methionin und Cystein sind die eigentlichen Baustoffe des Haares, nicht Zink oder Biotin allein
Leinöl oder Leinsamen ergänzen – für Omega-3-Fettsäuren, die Haut und Fellqualität von innen unterstützen
Training anpassen – ein Pferd, das im Fellwechsel schlapper wirkt, verdient Verständnis, nicht mehr Druck
Abschwitzdecke nutzen – nach dem Reiten konsequent einsetzen, bis das Pferd trocken ist
Bei Kälteeinbrüchen eindecken – wenn das Winterfell bereits großteils abgeworfen ist und nochmals Frost kommt
Vorsicht
Kritisch hinterfragen
„Fellwechsel-Bundles" und Komplett-Pakete – ein gesundes Pferd mit guter Grundfütterung braucht nicht zwingend ein Spezialprodukt; gezielte Einzelergänzungen sind oft sinnvoller und günstiger
Wahllose Supplementierung – Zink, Selen und andere Spurenelemente in falscher Dosierung können toxisch wirken oder sich gegenseitig in der Aufnahme blockieren
„Entgiftungskuren" als Pflichtprogramm – der Begriff ist wissenschaftlich nicht definiert; leberstützende Kräuter können ergänzend sinnvoll sein, aber ein gesunder Organismus entgiftet sich selbst
Wurmkuren und Impfungen mitten im Fellwechsel – wenn zeitlich verschiebbar, ist es schonender, diese in die „stille Phase" zu legen, in der der Fellwechsel ruht
Nasswäschen im Fellwechsel – verändern die Hautflora und verlängern die Trocknungszeit durch die dichten Haarmengen erheblich

15. FAQ: Die häufigsten Fragen zum Fellwechsel beim Pferd

Wann beginnt der Fellwechsel beim Pferd?

Der Fellwechsel wird durch die Tageslichtlänge gesteuert und beginnt bereits ab der Wintersonnenwende (21. Dezember) im Inneren des Körpers. Sichtbar wird er meist ab Januar bis März (Frühjahrsfellwechsel) bzw. September bis November (Herbstfellwechsel).

Wie lange dauert der Fellwechsel beim Pferd?

Die Dauer variiert je nach Rasse, Alter, Haltungsform und Gesundheitszustand zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten. Der Frühjahrsfellwechsel dauert in der Regel länger als der Herbstwechsel.

Wie kann ich den Fellwechsel beim Pferd unterstützen?

Die drei wichtigsten Maßnahmen sind: hochwertiges Grundfutter sicherstellen, die Mineralstoff- und Eiweißversorgung überprüfen und regelmäßig putzen. Ergänzend können Leinöl, Leinsamen und bei Bedarf eine Kräuterkur (Mariendistel, Brennnessel) eingesetzt werden.

Was füttern beim Fellwechsel?

Die Basis bildet qualitativ hochwertiges Heu in ausreichender Menge. Ergänzend ein gutes Mineralfutter mit Zink, Kupfer und Selen, Leinöl oder Leinsamen für Omega-3-Fettsäuren sowie proteinreiche Zusätze wie Bierhefe oder Luzerne bei Bedarf.

Warum ist mein Pferd im Fellwechsel so schlapp?

Die Fellneubildung beansprucht den Stoffwechsel, das Immunsystem und den Kreislauf. Dadurch steht vorübergehend weniger Energie für sportliche Leistung zur Verfügung. Eine moderate Reduzierung der Trainingsintensität ist in dieser Phase angemessen.

Warum hustet mein Pferd im Fellwechsel?

Mögliche Ursachen sind ein durch den Fellwechsel geschwächtes Immunsystem und eine erhöhte Staubbelastung durch lose Haare in der Stallluft. Anhaltender Husten sollte tierärztlich abgeklärt werden.

Was bedeutet ein gestörter Fellwechsel?

Wenn ein Pferd im Sommer noch deutlich langes, lockiges Fell trägt, kann eine Stoffwechselerkrankung wie Cushing (PPID) vorliegen. Eine Blutuntersuchung beim Tierarzt bringt Klarheit.

Wann sollte ich beim Fellwechsel den Tierarzt einschalten?

Bei stark verzögertem Fellwechsel (Mai und noch volles Winterfell), auffälligem Gewichtsverlust, kreisrunden kahlen Stellen, anhaltendem Husten, angelaufenen Beinen oder Verdacht auf Cushing.

Darf ich mein Pferd im Fellwechsel scheren?

Ja, bei älteren oder kranken Pferden, die unter dem dichten Winterfell übermäßig schwitzen und Kreislaufprobleme entwickeln, kann eine Schur sinnvoll sein. Geschorene Pferde müssen dann allerdings entsprechend eingedeckt werden.

Welche Kräuter helfen beim Fellwechsel?

Mariendistel kann die Leberfunktion unterstützen, Brennnessel liefert Mineralien und fördert die Durchblutung, Löwenzahn regt Nieren und Stoffwechsel an, und Bierhefe liefert B-Vitamine und essenzielle Aminosäuren.

Stört Eindecken den Fellwechsel?

Nein. Der Fellwechsel wird durch die Tageslichtlänge ausgelöst, nicht durch die Temperatur. Eingedeckte Pferde wechseln ihr Fell genauso wie uneingedeckte. Decken können lediglich die Dichte und Länge des Winterfells geringfügig beeinflussen. Wichtig ist, dass die Decke regelmäßig abgenommen wird, um die Haut zu belüften und Schwitzstellen zu vermeiden.

Wie viel Wasser braucht mein Pferd im Fellwechsel?

Ein Großpferd trinkt unter normalen Bedingungen rund 20 bis 40 Liter Wasser pro Tag. Im Fellwechsel kann der Bedarf durch die erhöhte Stoffwechselaktivität steigen. Gleichzeitig sinkt die Trinkbereitschaft im Winter, wenn das Tränkewasser sehr kalt ist. Temperiertes Wasser zwischen 7 und 18 Grad Celsius wird nachweislich besser angenommen. Eingeweichte Heucobs oder Mash können die Flüssigkeitszufuhr zusätzlich ergänzen.

Spielt die Darmgesundheit im Fellwechsel eine Rolle?

Ja. Der Großteil der Nährstoffverwertung beim Pferd findet im Dickdarm statt, wo Mikroorganismen Rohfaser fermentieren und unter anderem B-Vitamine produzieren. Eine gestörte Darmflora – durch abrupte Futterwechsel, Stress oder Medikamente – kann die Nährstoffaufnahme verschlechtern und sich in stumpfem Fell oder verlangsamtem Haarwuchs zeigen. Eine stabile, rohfaserbasierte Fütterung ist die beste Voraussetzung für eine gesunde Darmflora.

15. Quellenverzeichnis



Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle tierärztliche oder futterfachliche Beratung. Bei Unsicherheiten zu Gesundheit, Fütterung oder Supplementierung deines Pferdes wende dich an deinen Tierarzt oder einen qualifizierten Fütterungsberater.


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