Was macht einen guten Hufschutz aus?

Früher war alles einfach: Pferde wurden entweder barhuf gehalten oder mit Hufeisen aus Stahl beschlagen. Aber die Zeiten haben sich geändert: einerseits haben sich die Anforderungen an Hufschutz geändert, aufgrund von geänderter Nutzung unserer Pferde und geänderten Haltungsbedingungen. Und andererseits haben neue Entwicklungen – insbesondere in der Kunststofftechnik – immer neue Formen des Hufschutzes möglich gemacht. Damit gibt es nun eine Vielzahl von Produkten am Markt und als Pferdebesitzer steht man oftmals vor der Qual der Wahl: Eisenbeschlag, Kunststoffbeschlag, geklebter Hufschutz (Platte + Laschen), geklebter Hufschutz (Schale), Hufschuh oder doch Klettschutz?!

Im Zweifelsfalls sollte die Wahl natürlich immer von einem Profi vor Ort getroffen werden – nicht jeder Hufschutz ist für jedes Pferd in jeder Lebenslage geeignet. Aber auch als Pferdebesitzer solltest du dich mit den Vor- und Nachteilen der einzelnen Varianten auskennen, denn du kennst dein Pferd und seine Probleme am besten. Und, du hast damit das nötige Rüstzeug, um dich gemeinsam mit deinem Hufpfleger kompetent austauschen zu können.

Daher wollen wir dir hier erklären, welche Anforderungen ein moderner Hufschutz gemeinhin erfüllen muss. Ausnahmen bilden natürlich tierärztliche Maßnahmen (z. B. im Falle eines Hufbeinbruchs)!


Anforderungen aus Pferdesicht

Am wichtigsten ist natürlich, dass der Hufschutz deinem Pferd dient. Daher wollen wir zuerst die Anforderungen aus der Sicht der Pferdegesundheit klären, bevor wir noch kurz aufzeigen, welche Kriterien es darüber hinaus auch noch aus Sicht des Pferdebesitzers und Hufbearbeiters gibt.

Individuelle Anpassbarkeit


Kein Pferdehuf ist wie der andere. Daher muss sich auch der Hufschutz an die verschiedenen Hufformen anpassen lassen. Bei geklebtem Hufschutz, der aus zwei Teilen besteht (also keiner fixen Schale, sondern separater Grundplatte und Laschen) ist das normalerweise problemlos der Fall und auch manche Hufschuhe lassen sich in gewissem Maße an den Huf anpassen.

Wenn der Hufschutz jedoch aufgrund seiner Bauweise (z. B. fixe Schalen) oder seines Materials (Eisen u.a.) nicht oder nur schwer anpassbar ist, so muss trotzdem eine passende Form für den Huf gesucht werden. Leider ist manchmal noch immer die umgekehrte Herangehensweise anzutreffen: der Huf wird in seiner Form an den Hufschutz angepasst. Das hat jedoch gravierende Nachteile: da nur die äußere Hufform (also die Wände) an den Hufschutz angepasst werden, passt die Hufkapsel dann nicht mehr zum “Innenleben” des Hufs. Beispielsweise kann dann die Hufwand an manchen Stellen zu dünn geraspelt worden sein und ist dann nicht mehr ausreichend tragfähig.


Flexibilität


Ein guter Hufschutz sollte einerseits dehnbar und andererseits verwindbar sein. Warum? Ganz einfach: nur so kann der Hufmechanismus optimal funktionieren. Der Hufmechanismus ist für eine ganze Reihe an wichtigen Funktionen zuständig; welche (und warum), haben wir hier näher beschrieben: Hufmechanismus

Die Dehnbarkeit des Hufschutzes ist aber nicht nur für den Hufmechanismus wichtig, sondern auch für das korrekte Wachstum. Denn wie dir sicherlich schon aufgefallen ist, stehen die Hufwände nicht gerade zum Boden, sondern schräg. Das heißt, der Huf ist unten (am Boden) breiter als oben am Kronsaum. Der Huf wächst also konisch nach unten, und zwar rund 1 cm pro Monat. Während dieser Zeit wächst der Huf gleichzeitig bis zu 8mm in die Breite! Wenn die Hufkapsel nun aber am unteren Rand durch den Hufschutz in einer bestimmten Größe fixiert wird, dann kann der Huf stattdessen nur noch gerade nach unten wachsen. Die Folgen davon sind gravierend: der Huf wird eingezwängt und damit kleiner. Die Sohle kann sich nicht mehr über ihre volle Breite strecken und fängt stattdessen an sich nach innen zu wölben. Das heißt: die Sohle entwickelt ein unnatürlich hohes Gewölbe, welches nach innen auf das Hufbein drückt. Das nennt man dann “Sohlenzwang” und kann für das Pferd äußerst schmerzhaft sein.

Es ist also enorm wichtig, dass ein guter Hufschutz genügend elastisch ist, um sowohl die seitliche Ausdehnung des Hufs zuzulassen, als auch die Verwindung im Ballenbereich und den Hufmechanismus zu ermöglichen.

Hier noch ein interessantes Video zum Thema Hufmechanismus: Video


Dämpfung


Jedes Mal, wenn dein Pferd seinen Huf auf den Boden aufsetzt, entsteht Aufprallenergie. In der Natur läuft das Pferd barhuf über nachgiebige Böden; unter diesen Bedingungen fängt der Huf einen Teil dieser Energie auf und sorgt damit für Dämpfung (genauer haben wir das im Artikel über den Hufmechanismus erklärt). Wenn dein Pferd daher gesunde Barhufe hat und ebenso über nachgiebigen Untergrund läuft, dann ist es also bestens ausgerüstet, um mit diesen auftretenden Kräften ohne Probleme klar zu kommen.

Aber genau hier kommt der Haken: viele Pferde laufen auf sehr unnatürlichen, häufig unnachgiebigen Böden, z. B. Beton, Asphalt oder verdichteten Naturböden (insbesondere befestigte Paddocks ohne ausreichende Tretschicht). Für solche Böden sind die natürlichen Dämpfungsmechanismen des Pferdebeins nicht ausgelegt und frühe Verschleißerscheinungen der Gelenke (Arthrose etc.) können die Folge sein. Wenn sich dein Pferd daher viel auf sehr harten und unnachgiebigen Böden bewegt, dann sollte der Hufschutz für zusätzliche Dämpfung sorgen, um nicht nur die Hufkapsel vor Abrieb, sondern auch die Gelenke vor Schäden zu schützen.

Das gleiche gilt natürlich auch, wenn der Huf bereits gesundheitliche Probleme hat und die natürlichen Dämpfungsmechanismen nicht mehr ausreichend funktionieren: abgenützte Gelenke, wenig Gewölbe oder ein verkümmerter Hufstrahl sind nur einige der zahlreichen Beispiele, wann zusätzliche “Stoßdämpfung” durch den Hufschutz geleistet werden muss.

Auf gar keinen Fall darf es jedenfalls dazu kommen, dass der Hufschutz noch zusätzliche Kräfte beim Aufprall auf den Boden auslöst! Das heißt: wenn beispielsweise hartes Metall mit Schwung auf harten Boden auftrifft, dann löst es Mikrovibrationen aus. Diese müssen vom Huf bzw. dem Pferdebein dann noch zusätzlich aufgefangen werden und schädigen insbesondere die kleinen Zehengelenke. Das ist auch die Erklärung, warum besonders häufig Kutschenpferde von Schale (= Huf- und Krongelenksarthrose) betroffen sind.


Gewicht


Ein weiterer wichtiger Faktor für die Hufgesundheit ist das Gewicht des Hufschutzes. Das gilt insbesondere für die Gelenke, denn: jedes Mal, wenn dein Pferd ein Bein hebt und nach vorne führt, wirken Fliehkräfte auf das Pferdebein. Dazu musst du dir vorstellen, dass das Pferdebein aus einer “Kette” mit einzelnen starren Elementen (den Knochen) besteht, welche über flexible Verbindungen (den Sehnen und Bändern) zusammengehalten werden. Wenn dein Pferd nun schwungvoll einen Fuß nach vorne setzt, ziehen umso höhere Kräfte an diesen flexiblen Verbindungen, je mehr Schwung die Bewegung hat und je höher das Gewicht ist, das am Ende dieser “Kette” hängt. Wenn dein Pferd also beispielsweise galoppiert, potenziert sich das Gewicht des Hufschutzes am Ende seines Beins auf ein Vielfaches seines ursprünglichen Gewichts.


Einerseits werden dadurch natürlich die Sehnen und Bänder übermäßig beansprucht. Andererseits kommt auch noch die Befestigungsart des Hufschutzes dazu. Bei einem Hufschuh, der an der Hufwand anliegt und den Ballen umschließt, verteilt sich dieses “Wuchtgewicht” auf eine relativ große Fläche und strapaziert die einzelnen Bereiche daher relativ wenig. Wenn ein Hufschutz hingegen nur mit einer Hand voll Nägeln an der Hornwand befestigt wird, so konzentriert sich die Fliehkraft auf eine sehr kleine Fläche und stellt eine punktuelle Belastung für die Hufwand dar.

Damit du ein Gefühl für das Gewicht von unterschiedlichen Hufschutzvarianten bekommst, haben wir hier eine exemplarische Liste zusammengestellt:


 - normales Hufeisen: ~550g

 - Stahl-Hufeisen mit Kunststoffummantelung: ~350g

 - Aluminium-Hufeisen: ~120g

 - Bekleb (Kunststoffschale): ~200g

 - Bekleb (Grundplatte + Laschen): ~210g

 - Hufschuh: ab 250g


Die genauen Werte sind natürlich immer auch von der Größe und dem jeweiligen Hersteller abhängig und daher nur als Durchschnittswerte anzusehen. Außerdem kommen je nach Befestigungsart noch Nägel oder Kleber als Gewicht dazu.

Je mehr sich dein Pferd daher in schnelleren Gangarten bewegt und daher seine Beine hohen Fliehkräften ausgesetzt sind, umso wichtiger ist es, dass der Hufschutz sehr leicht ist und auf einer möglichst großen Fläche am Huf montiert ist.


Strahlunterstützung 


Ein ganz wichtige Anforderung an guten Hufschutz, der häufig zu wenig Beachtung geschenkt wird, ist die flexible Unterstützung des Strahls. Warum? Ganz einfach: der Hufstrahl ist von Natur aus dafür gebaut, im hinteren Drittel Bodenkontakt zu haben. Damit erfüllt er nicht nur eine wichtige Dämpfungsfunktion, sondern er hilft auch bei der Lastverteilung. Damit entlastet der Strahl die Trachtenwände, die sonst zu viel Druck ausgesetzt wären und damit immer dünner und schwächer werden würden. Das kann so weit führen, dass sich die Trachtenwände hoch schieben und dadurch die damit verbundenen Eckstreben in den Huf hinein drücken. Das Resultat dieser beengten Trachtensituation ist dann nicht selten das gefürchtete “Hufrollen-Syndrom”.

Neben der Entlastung der Trachtenwände ist die Strahlunterstützung aber vor allem für den bereits erwähnten Hufmechanismus wichtig: wenn der hintere Bereich des Strahls belastet wird, drückt dieser über das Strahl- und Ballenpolster die Ballen auseinander und sorgt so dafür, dass sich die Hufkapsel im hinteren Bereich weitet.

Wenn der Strahl jedoch “in der Luft hängt” und keinen Bodenkontakt hat, so kann sich schnell ein Teufelskreis bilden: durch den fehlenden Gegendruck werden die Ballen von den Trachten zusammengezwängt. Dadurch wird die Durchblutung im hinteren Teil des Hufs behindert und die Strahllederhaut weniger gut versorgt. Aufgrund der mangelnden Stimulation und Nährstoffversorgung wird schließlich weniger Strahlhorn produziert und der Strahl verkümmert. Häufig entsteht dann parallel Strahlfäule, weil durch die Quetschung tiefe und enge Strahlfurchen entstehen, in denen sich Mist besonders gut hält und Bakterien unter Luftabschluss pudelwohl fühlen.

Daher ist es von enorm hoher Wichtigkeit, dass der Hufschutz für eine ausreichende Strahlunterstützung sorgt. Wenn der Strahl bereits degeneriert ist, helfen oftmals zusätzliche Einlagen, um wieder Bodendruck auf den Strahl zu bekommen und dessen Wachstum anzuregen.


Beeinflussung der natürlichen Bewegung


Klar, jedes unnatürliche Material am Huf kann den individuellen Bewegungsablauf deines Pferdes beeinflussen. Manchmal ist das sogar gewünscht, z. B. im Gangpferdebereich. Meistens möchte man das aber eher nicht, denn um dein Pferd langfristig gesund zu erhalten, sollte die natürliche Gangmechanik nicht unnatürlich gestört werden. Alle Bewegungsabläufe, die dein Pferd von Natur aus nicht zeigt (z. B. weil es aufgrund seines Gebäudes dazu nicht oder nur schlecht in der Lage ist), sollten auch mit Hufschutz nicht künstlich erzeugt werden, da dies sonst zu übermäßigem Verschleiß des Bewegungsapparates führt.

Um die natürlichen Bewegungen deines Pferdes zu erhalten, ist es daher beispielsweise wichtig, dass der Abrollpunkt des Hufschutzes zurück gesetzt werden kann. Dies entspricht dem natürlichen Abfußen des Pferdes, so dass es mühelos über die Zehe abrollen kann. Wenn es das nicht tun kann, kommt mit jedem Schritt ein vermehrter Zug auf die Hufkapsel zustande, wodurch die Eckstreben in den Huf hebeln können und auf den Hufrollenkomplex drücken. Sehr häufig sind auch untergeschobene Trachten das Ergebnis.

Wenn der Abrollpunkt des Hufschutzes nicht an die physiologisch richtige Stelle zurückgesetzt werden kann, bleibt der Fuß außerdem länger am Boden. Wenn die Vorderhufe davon betroffen sind, passiert es daher immer wieder, dass sich die Pferde mit der Hinterhand in die Ballen steigen oder ein unnatürliches Bewegungsmuster entwickeln.

Weiters kann das Material des Hufschutzes den Bewegungsablauf beeinflussen. Häufig ist das abhängig vom jeweiligen Untergrund: metallener Hufschutz rutscht auf glatten Böden (Beton, Asphalt) mehr, als das ein Barhuf tun würde. Zu weicher Kunststoff hingegen bremst unnatürlich viel und stellt damit eine zusätzliche Belastung für die Gelenke dar. Das Optimum liegt daher in der Mitte: Kunststoff in ähnlicher Härte wie ein Barhuf.

Je mehr dein Pferd auf glatten Oberflächen unterwegs ist, desto mehr Wert solltest du daher beim Hufschutz auf passende Materialeigenschaften achten.

Ein guter Hufschutz sollte außerdem kein Stolpern erzeugen. Grundsätzlich kann Stolpern natürlich eine Vielzahl von Ursachen haben (z. B. Verspannungen im Rücken), aber manchmal wird es auch durch den unpassenden Hufschutz ausgelöst. Gerade bei Pferden, die tendenziell wenig Beinaktion zeigen, können beispielsweise klobige Hufschuhe zu Stolpern führen. Andererseits kann aber auch ein zu starrer Hufschutz Schuld sein: je mehr der Hufmechanismus behindert wird, desto weniger spürt das Pferd in den Hufen. Wenn das Pferd aber seine Füße nicht mehr gut wahrnimmt, kommt es deutlich häufiger zum Stolpern. Eine entsprechende Flexibilität des Hufschutzes ist daher auch für die Erhaltung des natürlichen Bewegungsmusters und Fußungsverhalten wichtig.


Hygiene


Als letzten Punkt möchten wir hier noch den Hygiene-Aspekt nennen. Ein guter Hufschutz sollte entweder eine Verschmutzung des Hufs verhindern (z. B. indem kritische Bereiche verschlossen werden) oder eine ordentliche Reinigung des Hufs zulassen.

Gerade dieser Punkt ist bei vielen Hufschutz-Varianten leider ein Nachteil. Denn sobald der Huf vor übermäßigem Abrieb geschützt wird, werden mehr oder weniger viele Areale des Hufs abgedeckt. Wird das Pferd in sauberer Umgebung gehalten, so ist dies meist unproblematisch. Steht das Pferd hingegen stundenlang in uringetränktem Gatsch, so fängt es unter den allermeisten Hufschutz-Möglichkeiten schnell zu gammeln an.

Generell gilt aber: je mehr der Huf sein natürliches Bewegungsspektrum (Hufmechanismus) ausleben kann, desto widerstandsfähiger sind die einzelnen Strukturen und kommen daher tendenziell besser mit solchen Belastungen zurecht.

Passender Hufschutz heißt aber auch, den Huf vor mechanischen Schäden zu schützen. Das bedeutet, vorhandene Schäden (z. B. ausbrechende Wände) nicht zu verschlimmern und natürlich, dass diese auf keinen Fall durch den Hufschutz verursacht werden dürfen – denn dann würde sich der Sinn eines “Schutzes” ja ad absurdum führen. Das betrifft auch das Anbringen und Abnehmen des Hufschutzes: wenn beispielsweise zur Anbringung des Schutzes Löcher in die Hufwand gemacht werden, dann schädigt das nicht nur die Stabilität der Hornkapsel, sondern bietet auch Eintrittspforten für Bakterien und Pilze.


Anforderungen aus Menschensicht


Neben den bisher genannten Anforderungen aus Sicht der Hufgesundheit, gibt es aber noch weitere Kriterien, die ein guter Hufschutz aus Sicht von uns Menschen erfüllen muss.


Haltbarkeit 


Guter Hufschutz sollte den Huf zuverlässig zwischen den Bearbeitungsintervallen vor übermäßiger Abnutzung schützen. Mit einem permanenten Hufschutz (Beschlag, Bekleb oder 24h Hufschuhen) wird der Abrieb gänzlich verhindert und der Abstand zwischen zwei Bearbeitungen sollte dementsprechend nicht länger als 4-6 Wochen betragen, da ansonsten das nachwachsende Hufmaterial den Huf negativ beeinflussen kann. Dies ist daher auch jener Zeitraum, den ein permanenter Hufschutz im Normalfall am Huf aushalten sollte, unabhängig von Witterung oder Nutzung. Natürlich kann es immer wieder passieren, dass sich ein Pferd selbst den Hufschutz abtritt – bei einem Pferd mit durchschnittlichem Körperbau und normalem Gangwerk sollte das aber die Ausnahme darstellen.

Anders sieht es bei Hufschutz aus, der abnehmbar ist, das heißt bei Hufschuhen und klettbarem Hufschutz. Auch hier gibt es einzelne Modelle, welche für permanenten Gebrauch ausgelegt sind (z. B. Krankenschuhe), aber in der Regel sind die meisten Varianten dafür gemacht, dass sie bei Bedarf stunden- oder tageweise weise angezogen und wieder abgenommen werden. Da diese Arten von Hufschutz daher nicht mit einer fixen Verbindung am Huf angebracht sind, ist die Anforderung an die Haltbarkeit hier eine andere: die temporäre Verbindung (d.h. der Klett oder die Verschnallung) muss für den Zeitraum des Tragens ohne Verrutschen am Pferdehuf verbleiben. Das heißt, der Hufschutz darf sich auch bei sportlicher Nutzung nicht einfach verabschieden oder am Huf verdrehen. Individuelle Anpassbarkeit ist hier der beste Garant, um dieser Anforderung gerecht zu werden.

Die Haltbarkeit bezieht sich aber nicht nur auf den einwandfreien Verbleib am Pferdehuf, sondern auch auf die Materialermüdung. Das heißt: wie sehr nutzt sich das Material ab, wenn der Hufschutz von deinem Pferd getragen wird?

Neben dem Gewicht deines Pferdes ist auch die Nutzung ausschlaggebend für die “Kilometerleistung” des Hufschutzes. Das heißt, wie oft wird der Hufschutz in welcher Gangart beansprucht? Und es kommt natürlich auch stark darauf an, auf welchem Terrain dein Pferd damit läuft. Wird der Hufschutz primär beim Ausritt auf harten Schotterwegen oder zum Fahren auf Asphalt benötigt (und dein Pferd lebt vielleicht auch noch in einer verspielten Herde im Aktivstall), ist der Abrieb natürlich entsprechend höher, als wenn das Pferd damit lediglich zwischen weicher Spänebox und Teppichschnitzel-Hallenboden wechselt.

Grundsätzlich gilt: je härter das Material, desto weniger Abrieb. Da extrem hartes Material (Metall) jedoch einige Nachteile hat (siehe vorherige Punkte), versuchen viele Hersteller hier einen guten Mittelweg einzuschlagen. Dabei wird der Tragrand des Hufschutzes oft aus einem anderen Material hergestellt (oder mit härterem Material verstärkt) als der restliche (Sohlen-)Bereich des Hufschutzes. Oder es werden ultraleichte, aber widerstandsfähige Fasern (meist Kohlenstofffasern) eingearbeitet, die die Widerstandsfähigkeit erhöhen, ohne die Flexibilität zu beeinträchtigen.

Im Zweifelsfalls sollten aber eher Abstriche bei der Haltbarkeit als bei der Flexibilität des Materials gemacht werden – der Gesundheit deines Pferdes zuliebe.


Handhabung


Für uns Menschen ist außerdem die Handhabung ein wichtiger Punkt bei zeitgemäßem Hufschutz. Damit ist einerseits die Anbringung und Abnahme gemeint, als auch die Handhabung im Alltag. Darunter fällt beispielsweise auch die Möglichkeit, einen Gleitschutz (Stollen) anbringen zu können oder einen Schutz gegen Aufstollen im Winter.

Die Montage und Abnahme des Hufschutzes sollte idealerweise auch durch den Besitzer erfolgen können (nach entsprechender Einweisung vom Profi). Denn immer wieder kann es vorkommen, dass der Hufschutz rasch abgenommen werden muss, beispielsweise aufgrund einer Erkrankung (z. B. Hufabszess) oder eines Tierarzt-Besuchs (für Röntgenaufnahmen oder andere Untersuchungen). Oder aber, weil das Pferd auf barhuf umgestellt wird und der Hufschutz deshalb nicht den ganzen Intervall zwischen den Bearbeitungen am Huf verbleiben soll. In solchen Situationen ist es oftmals sinnvoll, wenn der Besitzer den Hufschutz entweder 1-2 Wochen nach der Bearbeitung selbst anbringen oder 1-2 Wochen vor der nächsten Bearbeitung selbst abnehmen kann.

Im Falle eines abnehmbaren Hufschutzes ist es natürlich außerdem wichtig, dass die Handhabung bei häufigem An- und Ausziehen möglichst unkompliziert und fehlerfrei erfolgen kann und dadurch keine übermäßigen zusätzlichen Aufwände anfallen.


Kosten


Qualität hat ihren Preis. Das trifft auch auf modernen Hufschutz zu: gerade in der Kunststofftechnik hat es in den letzten Jahren enorm großartige Entwicklungsschritte gegeben, die natürlich auch erstmal bezahlt werden müssen. Trotzdem darf guter Hufschutz keine Frage des Geldes sein: guter Hufschutz muss leistbar sein, damit er möglichst vielen Pferden zu Gute kommen kann.

Die Gesamtkosten werden jedoch von mehreren Faktoren beeinflusst, die man differenziert betrachten muss:


 - Materialkosten (initiale Anschaffung sowie Verbrauchsmaterial)

 - Verschleiß bzw. Wiederverwendbarkeit des Materials

 - Arbeitszeit


So mancher Hufschutz ist zwar in der initialen Anschaffung sehr günstig, kann aber nur einmalig verwendet werden und muss vom Profi mit entsprechendem Arbeitsaufwand montiert werden. Damit werden die billigen Anschaffungskosten über die Zeit wieder relativiert.

Andere Hufschutz-Varianten sind hingegen in der Anschaffung recht teuer, können aber mehrmals bzw. über einen langen Zeitraum verwendet werden und vom Besitzer selbst angepasst und angebracht werden. Damit relativieren sich die Anschaffungskosten über die Zeit.

Wenn du daher die Kosten für verschiedene Hufschutz-Möglichkeiten vergleichst, solltest du stets alle drei Faktoren mit einbeziehen und die gesamten Kosten beispielsweise für ein Jahr ausrechnen.


Umweltbelastung bzw. ökologische Verträglichkeit


Als Pferdebesitzer muss uns bewusst sein, welche Auswirkungen unsere moderne Pferdehaltung auf die Umwelt hat. Die Anzahl der Pferde ist in vielen (europäischen) Ländern in den letzten Jahren auf einem stabilen, aber tendenziell steigenden Allzeit-Hoch; alleine in Deutschland wurden 2019 rund 1,3 Mio. Pferde gezählt. Und in dieser Masse macht es dann natürlich einen Unterschied, wie wir unsere Pferde halten, füttern und mit welchen Produkten wir sie ausstatten.

Dabei haben alle Hufschutz-Varianten einen unterschiedlichen “Knackpunkt”: bei Kunstststoff-Varianten ist es oftmals der Kunststoff selbst, welcher eine schlechte ökologische Bilanz aufzeigt. Auch die Giftstoffe bei der Herstellung (Trennmittel) oder bei den Klebern sollten berücksichtigt werden. Hier gilt es zu beachten, in welchem Land der Kunststoffschutz gefertigt wird: in europäischen Ländern gibt es strenge rechtliche Vorgaben, welche zumindest ein Austreten dieser Stoffe in die Umwelt verhindern.

Häufig ist auch zu hören: der Kunststoff reibt sich bei der Nutzung ja ab und hinterlässt Mikroplastik im Boden. Ja, in geringen Mengen ist das richtig. Das tun deine Turnschuhe und der Fahrradreifen aber genauso.

Bei metallenem Hufschutz wird hingegen kein umweltschädliches Material zur Montage benötigt. Doch auch hier reibt sich der Hufschutz mit der Zeit ab und das abgeriebene Material verschwindet in der Umwelt. Außerdem dürfen der Abbau und die Verhüttung der Metalle in der Öko-Bilanz nicht ausgelassen werden. Beispielsweise ist Bauxit das Ausgangsmaterial für die Aluminiumherstellung und dafür werden große Flächen des Regenwaldes gerodet. Natürlich ist der Metallbedarf für Hufbeschläge sehr klein im Vergleich zum restlichen globalen Vergleich – wer sich aber Gedanken um die Umwelt macht, sollte diese Aspekte trotzdem nicht unbeachtet lassen.

Insgesamt ist daher kein Hufschutz wirklich umweltschonend – leider. Die negativen Auswirkungen können jedoch verringert werden, wenn der Hufschutz lange verwendet werden kann. Die Materialabnutzung bzw. Wiederverwendbarkeit spielen daher auch hier eine wichtige Rolle.



Fazit


Wie du wahrscheinlich beim Lesen festgestellt hast, hat jeder Hufschutz seine Vor- und Nachteile und manche davon liegen in deinem individuellen Ermessen, wie wichtig dir diese sind (z. B. Handhabung und Umweltschutz).

Es gibt aber ein paar universelle Kriterien, die ein guter Hufschutz unbedingt erfüllen muss, damit er für die Hufe deines Pferdes eine nachhaltige Verbesserung bewirken kann und nicht einen Missstand mit einem anderen ersetzt.


Damit du bei all diesen Informationen einen besseren Überblick bewahrst, haben wir dir hier die wichtigsten Faktoren nochmal übersichtlich zusammengefasst, inkl. einer groben Angabe, welcher Hufschutz welche Anforderung wie gut erfüllt:


Permanenter  HufschutzAbnehmbarer    Hufschutz
EisenbeschlagKunststoffbeschlagGeklebter    Hufschutz (Platte + Laschen)Geklebter    Hufschutz (Schale) Hufschuhe /Klettschutz 
Anpassbarkeit ✔️ ✔️✔️je nachModell
Flexibilitätteilweise✔️je nachModell✔️
Gewicht ca. 400gca. 350gca. 200gca. 200g> 250g
Dämpfungteilweise ✔️✔️✔️
Strahlunterstützung nur mitEinlage✔️✔️✔️✔️
Beschädigung des Hufhornshochhochminimalmittelgarnicht 
Reinigung des Hufsgutmittelmittelmittelsehr gut
Haltbarkeit sehr gutsehr gutgutgutgut(Passform wichtig)
Kosten sehr geringgeringmittelmittelinitial:hoch           langfristig: gering


Autorin: Nathalie Kurz www.mein-leben-ist-ein-ponyhof.at


Quellen:




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