Aufzüge (Kappen) für Klebebeschläge
Ein Klebebeschlag braucht in der Regel keine Aufzüge. Aufzüge – auch Kappen oder Anschläge genannt – stammen aus dem Nagelbeschlag und haben dort die Aufgabe, die Nägel zu entlasten. Beim Bekleb gibt es weder Nägel noch Nagellöcher, und die Klebelaschen verteilen die Kräfte ohnehin über eine große Fläche der Hufkapsel. Es gibt aber Pferde, die den Beschlag punktuell so stark belasten, dass ein zusätzlicher Aufzug sinnvoll ist. Für diese Fälle gibt es Aufzüge aus Kunststoff, die sich frei am Bekleb positionieren lassen. Ob ein Pferd sie braucht, zeigt sich am Huf und wird gemeinsam mit dem Hufschmied entschieden.
Was ein Aufzug ist und was er leistet
Ein Aufzug ist die dreieckige Lasche, die am Beschlag nach oben gegen die Hufwand ragt und an in die Hufwand angeformt wird. Sie nimmt einen Teil der Kräfte auf, die beim Auffußen, beim Abrollen und bei Drehbewegungen zwischen Huf und Beschlag wirken. Am Hufeisen entlastet das die Nägel und die Nagellöcher: Mit Aufzügen lassen sich entweder weniger Nägel setzen oder die gesetzten Nägel tragen weniger Last. Üblich sind eine mittige Zehenkappe oder zwei Seitenkappen.
Am Klebebeschlag bleibt von diesen beiden Aufgaben nur eine übrig. Nägel gibt es keine, die entlastet werden müssten. Halt gegen Scherkräfte kann aber auch ein Bekleb zusätzlich gebrauchen und genau dafür wird der Aufzug hier eingesetzt.
Warum ein Klebebeschlag meist ohne Aufzüge auskommt
Beim Bekleb übernehmen die Klebelaschen die Kraftübertragung. Sie umschließen die Hufkapsel wie eine Krone und leiten die Kräfte über eine große Klebefläche in die Hufwand, statt über wenige Punkte.
Dazu kommt das Material. Laschen und Grundplatten bestehen aus hochfestem TPU – formbar und reißfest zugleich. Eine Hufkapsel, die von flexiblem Kunststoff eingefasst wird, kann sich unter Belastung weiter bewegen als eine, die seitlich von starrem Metall begrenzt wird. Die Hufwand wächst außerdem vom Kronsaum in Richtung Tragrand und folgt dabei dem Wandwinkel: Der Huf ist unten breiter als oben. Nachgiebiges Material lässt diesem Wachstum mehr Raum.
Am Laschenhals sitzt bewusst eine Sollbruchstelle. Bleibt der Beschlag irgendwo hängen oder steigt sich das Pferd selbst in den Bekleb, reißt die Lasche dort kontrolliert, statt die Hufwand zu beschädigen. Das ist ein gewollter Sicherheitsmechanismus und zugleich der Grund, warum Laschen in seltenen Fällen auch dann reißen, wenn man es nicht möchte.
Wann Aufzüge am Bekleb sinnvoll sind
Aus der Arbeit mit unseren Anwendern und Hufschmieden kennen wir typische Situationen, in denen besonders viel Wucht auf einzelne Laschen kommt:
- Springen und und enge Wendungen– hier belasten vor allem die vorderen Laschen am Huf.
- Pferde, die im Stand viel auf dem Bein drehen – hier treffen die Scherkräfte die hintersten Laschen eines Laschenkragens.
- Hufe mit ausgeprägten Drehbewegungen beim Abfußen, bei denen der Beschlag seitlich stark beansprucht wird.
Das sind Beobachtungen aus der Anwendung, keine Messwerte. Der verlässlichste Hinweis kommt ohnehin vom Pferd selbst: Reißt eine Lasche wiederholt an derselben Stelle oder wandert der Bekleb immer in dieselbe Richtung, ist das der Moment, an genau dieser Stelle über einen Aufzug nachzudenken. Vorsorglich rundum gesetzte Kappen bringen dagegen wenig und versteifen den Beschlag unnötig
Aufzüge aus Kunststoff: Material, Größen, Verarbeitung
Die Aufzüge für den Bekleb bestehen aus demselben TPU wie Grundplatten und Laschenkrägen. Sie werden mit dem Heißluftfön erwärmt, direkt am Huf angeformt und mit den übrigen Komponenten des Beschlags verschweißt – dieselbe Arbeitsweise, die Hufschmiede vom restlichen System kennen. Ein zusätzliches Werkzeug braucht es dafür nicht.
Größe |
Maße |
Geeignet bis |
M |
21 × 27 mm |
140 mm Hufbreite |
L |
31 × 29 mm |
180 mm Hufbreite |
XL |
35 × 33 mm |
220 mm Hufbreite |
Da der Aufzug angeschweißt und nicht angeschmiedet wird, lässt er sich auch nachträglich ergänzen: Zeigt sich erst im Verlauf einer Beschlagperiode, dass ein Pferd mehr Halt braucht, kommt die Kappe beim nächsten Termin dazu. Umgekehrt kann sie wieder entfallen, wenn sich Belastung, Boden oder Trainingszustand ändern.
Ein praktischer Nebeneffekt betrifft verlorene Beschläge. Ein abgetretenes Hufeisen bleibt oft so liegen, dass die Aufzüge nach oben zeigen; tritt ein Pferd darauf, sind Verletzungen am Huf möglich. Kunststoffkappen sind nachgiebiger als Stahl und in dieser Situation entsprechend weniger riskant.
Wo der Aufzug am Bekleb sitzt
Der größte Unterschied zum Eisen liegt in der Freiheit der Platzierung. Anzahl und Position sind nicht durch die Form des Beschlags vorgegeben – die Kappe kann dort sitzen, wo bei diesem Pferd tatsächlich die meiste Kraft übertragen wird. Klassisch als Zehenkappe an der Spitze, als Seitenkappe links und rechts, bei drehfreudigen Pferden aber auch deutlich weiter hinten am Huf.
Für die Wahl der Position gilt eine einfache Faustregel: Die Zehe ist die unempfindlichste Stelle. Dort bewegt sich die Hufkapsel unter Belastung kaum, ein Aufzug behindert sie also praktisch nicht. Seitlich und weiter hinten liegt der beweglichste Bereich – dort schränkt jede starre Auflage die Weitung an genau dieser Stelle ein. Am Bekleb fällt das dank des nachgiebigen Materials geringer aus, es bleibt aber ein Grund, seitliche Kappen bewusst und sparsam einzusetzen statt reflexhaft.
In der Praxis haben sich vier Leitplanken bewährt:
- So wenige Aufzüge wie möglich setzen – jeder zusätzliche versteift den Beschlag ein Stück weiter.
- Die Position aus dem Verschleißbild ableiten, nicht aus dem Gefühl.
- Beim nächsten Beschlag prüfen, ob der Aufzug noch gebraucht wird.
- Bei Pferden mit Beschwerden die Entscheidung mit Tierarzt und Hufschmied abstimmen.
Fazit
Aufzüge geben dem Beschlag zusätzlichen Halt am Huf und verteilen Kräfte, die sonst punktuell ankommen. Am Klebebeschlag ist das im Regelfall nicht nötig, weil die Klebelaschen diese Aufgabe bereits großflächig übernehmen und kein Nagel geschützt werden muss. Für Pferde mit besonderer Belastung lassen sich Kunststoffkappen aber gezielt dort ergänzen, wo die Kraft wirklich ankommt – nachträglich, in drei Größen und ohne den Huf stärker einzuschränken als nötig. Woran man den Bedarf erkennt, steht im Verschleißbild des letzten Beschlags.
Braucht ein Klebebeschlag Aufzüge?
In der Regel nicht. Beim Klebebeschlag gibt es keine Nägel, die entlastet werden müssten, und die Klebelaschen verteilen die Kräfte bereits über eine große Fläche der Hufkapsel. Aufzüge kommen nur bei Pferden dazu, die den Beschlag punktuell sehr stark belasten – das entscheidet der Hufschmied am einzelnen Pferd.
Wofür sind die Kappen am Hufeisen?
Die Kappen – fachlich Aufzüge oder Anschläge – nehmen Kräfte auf, die beim Auffußen und Abrollen zwischen Huf und Beschlag wirken und entlasten dadurch die Nägel und Nagellöcher in der Hufwand. Zusätzlich sichern sie das Eisen gegen seitliches Verschieben und Verdrehen. Beim Klebebeschlag entfällt die erste dieser beiden Aufgaben.
Woran erkenne ich, dass mein Pferd einen Aufzug braucht?
Der deutlichste Hinweis ist ein wiederkehrendes Muster: Eine Lasche reißt mehrfach an derselben Stelle, oder der Bekleb wandert immer in dieselbe Richtung. Häufig betrifft das Pferde, die viel springen, bergab gehen oder im Stand stark auf dem Bein drehen. Schau dir am besten gemeinsam mit deinem Hufschmied das Verschleißbild des letzten Beschlags an.
Kann man Aufzüge nachträglich an einem Bekleb anbringen?
Ja. Die Kunststoffkappen werden mit dem Heißluftfön erwärmt, am Huf angeformt und mit Grundplatte beziehungsweise Laschenkragen verschweißt. Sie lassen sich damit auch dann noch ergänzen, wenn sich erst im Verlauf zeigt, dass ein Pferd zusätzlichen Halt braucht – und beim nächsten Beschlag genauso einfach wieder weglassen.
Warum reißen die Laschen an einem Klebebeschlag?
Am Laschenhals sitzt eine bewusst eingebaute Sollbruchstelle. Bleibt der Beschlag hängen oder steigt sich das Pferd selbst hinein, reißt die Lasche dort kontrolliert, statt die Hufwand zu beschädigen. Reißt sie wiederholt an derselben Stelle, ist das ein Hinweis auf eine hohe punktuelle Belastung – und der typische Anlass, dort einen Aufzug zu setzen.






