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Spikes und Stollen beim Klebebeschlag

6 Min. Lesezeit

Spikes und Stollen lassen sich auch am Klebebeschlag einsetzen und geben dem Pferd zusätzlichen Halt auf nassem, glattem oder tiefem Boden. Spikes sind kleine Hartmetallstifte, die dauerhaft in der Grundplatte sitzen und die Platte nebenbei vor Abrieb schützen. Stollen sind größere, herausdrehbare Greifelemente für den vorübergehenden Einsatz – etwa im Springsport, im Gelände oder bei Jagden. Beide erhöhen die Trittsicherheit gezielt, und beide folgen derselben Faustregel: so viel Grip wie nötig, so wenig wie möglich. Dieser Ratgeber erklärt, wie die beiden Lösungen funktionieren, wann sie sinnvoll sind und worauf es bei der Anwendung am nagelfreien Hufschutz ankommt.

Spikes und Stollen kurz erklärt

Beim Metall-Hufeisen sind Griffelemente seit Langem selbstverständlich; am Kunststoff-Klebebeschlag sind sie weniger bekannt, funktionieren aber nach demselben Prinzip. Spikes sind kleine Stifte aus Hartmetall (Widia), die fest in der Grundplatte des Beschlags verankert werden und dort dauerhaft bleiben. Stollen sind deutlich größere Greifelemente, die über ein Gewinde eingedreht und nach dem Einsatz wieder entfernt werden. Der Unterschied ist also nicht nur die Größe, sondern der Zweck: Spikes liefern dezenten Dauergrip und schützen die Platte, Stollen liefern kräftigen Halt für einzelne Aufgaben

Spikes: dezenter Dauergrip und Abriebschutz

Spikes werden vorgebohrt und anschließend mit einem Akkubohrer in die Grundplatte eingeschraubt. Üblich sind zwei Stifte pro Schenkelende, also vier pro Platte, gesetzt im Bereich der Eckstreben und an der Zehe – dort, wo der Huf beim Abfußen den meisten Halt braucht. Neben der besseren Trittsicherheit haben die Hartmetallstifte einen praktischen Nebeneffekt: Sie nehmen den Abrieb auf und schonen so das Plattenmaterial, wodurch der Beschlag über das Intervall hinweg oft gleichmäßiger hält.

Weil die Stifte fest sitzen, eignen sie sich für den Alltag und den durchgehenden Einsatz. In der Gruppen- oder Offenstallhaltung wählt man Griffelemente allerdings bewusst zurückhaltend, weil ausgeprägte Stollen das Verletzungsrisiko unter Pferden erhöhen können; feine Spikes sind hier die verträglichere Wahl.

Stollen: kräftiger Halt für einzelne Aufgaben

Stollen kommen dort ins Spiel, wo es kurzzeitig richtig griffig sein muss: auf nassem Grasboden im Springparcours, im Gelände oder bei der Jagd. Am Klebebeschlag werden sie über Krallenmuttern befestigt – Einschlagmuttern aus Edelstahl mit Krallen, die in der Platte verankert werden; ein Heißluftföhn hilft, die Verbindung sauber einzubetten. Für einen stabilen Sitz empfiehlt es sich, Seitenkappen zur Stabilisierung zu verwenden und beim Eindrehen Unterlegscheiben unterzulegen.

Welcher Stollen passt, hängt vom Boden ab: Auf hartem, trockenem oder lehmigem Untergrund geben eher stumpfe, quadratische Stollen Halt, auf feinem oder sandigem Grasboden eher rundere bis spitzere Formen. Auch die Disziplin spielt eine Rolle – Dressur braucht weniger Grip als Springen oder Vielseitigkeit. Wichtig ist der temporäre Charakter: Stollen werden für den Einsatz eingedreht und danach wieder entfernt, schon um Verletzungen im Stall und auf der Weide zu vermeiden.

So viel Grip wie nötig: die Handwerksperspektive

Mehr Grip ist nicht automatisch besser. Greift der Huf zu stark in den Boden, kann das Pferd mit dem Bein hängen bleiben, im ungünstigen Fall stolpern, und die Belastung auf Gelenke und Sehnen steigt. Erfahrene Hufschmiede und Stollen-Hersteller betonen deshalb übereinstimmend: Länge und Schärfe der Griffelemente werden an Boden, Aufgabe und Pferd angepasst, nicht am Maximum ausgerichtet. Für junge oder unerfahrene Pferde wählt man kürzere Stollen, damit sie sich an das veränderte Laufgefühl gewöhnen können.

Genau hier passt der Grundgedanke von Goodsmith: pferdegerechter Hufschutz soll den natürlichen Bewegungsablauf unterstützen, statt ihn zu überformen. Spikes und Stollen sind ein Werkzeug im Belastungsmanagement – gezielt eingesetzt, nicht pauschal.

Anwendung am nagelfreien Klebebeschlag

Die Montage von Spikes und Stollen gehört in geübte Hände – idealerweise die eines Hufschmieds oder einer in einem Workshop geschulten Person. Die Grundplatte des Klebebeschlags bietet dafür eine stabile Basis: Spikes werden vorgebohrt und eingeschraubt, die Krallenmuttern für Stollen mit dem Heißluftföhn eingebettet und mit Seitenkappen stabilisiert. Vor jedem Einsatz lohnt ein kurzer Blick auf Sitz und Zustand der Griffelemente; abgenutzte oder beschädigte Stifte werden ersetzt.

Der Klebebeschlag selbst hält bei sachgerechter Anwendung ein reguläres Bearbeitungsintervall von sechs bis acht Wochen – daran ändern die Griffelemente nichts, sofern die Platte sauber vorbereitet und verklebt wurde. Grip und verlässlicher Sitz des Beschlags schließen sich also nicht aus, sie ergänzen sich.

Wann Spikes, wann Stollen?

Die folgende Übersicht ordnet die beiden Lösungen nach ihrem Einsatzzweck ein.

Kriterium Spikes Stollen
Größe / Form klein, Hartmetallstifte (Widia) groß, verschiedene Formen (stumpf bis spitz)
Sitz dauerhaft in der Grundplatte temporär, herausdrehbar
Befestigung vorbohren und einschrauben Krallenmuttern aus Edelstahl, Heißluftföhn
Typischer Einsatz Alltag, durchgehender Grip einzelne Aufgaben: Turnier, Gelände, Jagd
Zusatznutzen Abriebschutz, gleichmäßigere Plattenhaltbarkeit kräftiger Halt auf nassem oder tiefem Boden
Zu beachten in Gruppenhaltung zurückhaltend wählen nach dem Einsatz wieder entfernen

Fazit

Spikes und Stollen machen den Klebebeschlag fit für rutschige und anspruchsvolle Böden – ohne dass man auf den nagelfreien, hufschonenden Ansatz verzichten muss. Spikes geben dezenten Dauergrip und schützen die Platte, Stollen liefern kräftigen Halt für den Moment. Entscheidend ist das richtige Maß: Grip so dosieren, wie Boden, Aufgabe und Pferd es verlangen. Am sichersten gelingt das in Zusammenarbeit mit dem Hufschmied. Mehr erfahren oder Kontakt aufnehmen – bei Fragen zur passenden Grip-Lösung.

Kann man Spikes und Stollen auch bei Klebebeschlägen und Hufschuhen verwenden?

Ja. Griffelemente lassen sich nicht nur an Metall-Hufeisen, sondern auch an Kunststoff-Klebebeschlägen und an Hufschuhen anbringen. Spikes sitzen dauerhaft in der Grundplatte, Stollen werden über Krallenmuttern eingedreht und für den jeweiligen Einsatz genutzt.

Schaden Spikes oder Stollen dem Huf?

Bei sachgerechter Anwendung sitzen Spikes und Stollen in der Grundplatte des Beschlags, nicht im Huf selbst. Wichtiger für das Pferd ist die richtige Dosierung des Grips: Zu viel Halt kann den Bewegungsablauf und die Gelenke belasten, weshalb Länge und Schärfe an Boden und Pferd angepasst werden.

Wie viele Spikes braucht eine Platte?

Üblich sind vier Spikes pro Platte – zwei pro Schenkelende, gesetzt im Bereich der Eckstreben und an der Zehe. Je nach Anforderung und Boden lässt sich die Anzahl anpassen.

Muss man Stollen nach dem Einsatz wieder herausdrehen?

Ja. Stollen sind für den temporären Einsatz gedacht und werden danach entfernt. Das reduziert das Verletzungsrisiko im Stall und auf der Weide und schont zugleich den Bewegungsapparat.

Welche Stollen passen zu welchem Boden?

Auf hartem, trockenem oder lehmigem Boden geben eher stumpfe, quadratische Stollen Halt, auf feinem oder sandigem Grasboden eher rundere bis spitzere Formen.