Zwanghufe

Zwanghufe vorher nachher

Zwanghufe sind ein recht weit verbreitetes Phänomen in der Pferdewelt, das allerdings häufig unerkannt bleibt oder als unumkehrbar angesehen wird. Das stimmt jedoch nicht! Es erfordert nur meistens eine Änderung in der Bearbeitung und manchmal auch die Unterstützung von einem angepassten permanenten Hufschutz, um den Zwang im Huf zu beseitigen.

zwanghuf

Was ist ein Zwanghuf?

Ein Zwanghuf bedeutet, dass irgendwo im Huf ein falsches Kräfteverhältnis herrscht, so dass ein Teil des Hufes durch die Hufkapsel mechanisch “eingezwängt” wird. Je nachdem welcher Hufteil durch den Zwang betroffen ist, unterscheidet man die folgenden Arten:

 

  • Trachtenzwang
  • Ballenzwang
  • Sohlenzwang
  • Kronzwang

 

Dadurch wird die Lederhaut (also jene Struktur im Huf, die für die Hornproduktion verantwortlich ist) im betroffenen Gebiet gequetscht und schlechter durchblutet. Als Folge wird weniger Horn produziert und der betroffene Teil des Hufs verkümmert quasi. Je nach Art des Zwanghufs kann es dadurch zu Folgeproblemen kommen, wie etwa Strahlfäule, Abszessen, Fehlstellung oder geändertes Gangbild durch Schmerzen.

Damit du die einzelnen Zwangarten besser verstehen kannst, ist ein bisschen Anatomie-Verständnis nötig – wir empfehlen dir daher unseren Artikel zur Hufanatomie.

 Zwanghufe

Trachtenzwang

Der Trachtenzwang ist wohl eine der häufigsten Zwangarten. Dabei ist der Huf im Trachtenbereich zu eng, was oftmals durch einen (oder mehrere) der folgenden Punkte verursacht wird:

 

  • zu lange Eckstreben
  • insgesamt zu langer Huf
  • zu hohe Trachten
  • verkümmerter Strahl (z. B. durch Strahlfäule)

 

Trachtenzwang kann auch bereits bei der Jungpferdeaufzucht passieren, wenn die Haltungsbedingungen nicht passen: wenn der Strahl und die Sohle keinen ausreichenden Bodengegendruck erfahren (z. B. auf sehr weichem oder ganz hartem Untergrund), dann können sich diese Strukturen nicht ausreichend entwickeln und ihrer “tragenden” Rolle im Huf nicht nachkommen. Die Hufwand und die Eckstreben, die hingegen übermäßig kräftig werden, zwängen den Huf im Trachtenbereich ein. So entsteht ein Teufelskreislauf: durch den engen Trachtenbereich wird die Strahllederhaut eingequetscht und produziert weniger Strahlhorn. Dadurch verkümmert der Strahl noch weiter und kann den Trachten noch weniger Gegendruck entgegensetzen. Durch die schlechtere Durchblutung ist der Strahl zudem anfälliger für Strahlfäule – mehr dazu in unserem Artikel.

Die Lösung zur Behebung des Trachtenzwangs liegt daher einerseits in der Beseitigung der Ursache (z. B. durch angemessene Kürzung des Hufs) und andererseits in der Unterstützung des Strahlbereichs. Sofern Strahlfäule vorhanden ist, muss diese akribisch behandelt werden. Sollte der Strahl bereits so weit verkümmert sein, dass er keinen Bodenkontakt mehr hat, so sollte dafür gesorgt werden, dass er (vorsichtig) wieder Bodengegendruck erfährt, um besser wachsen zu können. Denn nur ein kräftiger Strahl ist in der Lage, den Trachtenbereich bei Belastung (also bei jedem Schritt und Tritt) auseinander zu drücken und so den Trachtenzwang zu beseitigen.

Der Bodenkontakt kann entweder durch einen passenden Untergrund im Stall erreicht werden (z. B. Sandboden) oder durch einen Beschlag bzw. Bekleb mit Polster.

Damit erst gar kein Trachtenzwang entsteht, sollte daher stets auf eine regelmäßige Hufbearbeitung und eine gute Unterstützung für den Strahl geachtet werden. Daher ist es auch so wichtig, dass ein etwaiger permanenter Hufschutz (egal ob Eisen oder Kunststoff) eine gute Unterstützung im Strahlbereich bietet und der Hufstrahl nicht “in der Luft hängt”.

 

Ballenzwang

Der Ballenzwang ist dem Trachtenzwang sehr ähnlich, weshalb manche Hufbearbeiter hier nicht differenzieren. Denn auch beim Ballenzwang ist der Huf im hinteren Teil vom Zwang betroffen. Der feine Unterschied liegt darin, dass beim Ballenzwang lediglich die Ballen gequetscht sind, wohingegen der bodenseitige Teil der Trachten noch angemessen breit erscheint. Die Trachten klappen also quasi über dem Strahl zusammen. Du kannst den Unterschied am besten erkennen, wenn du den Huf von hinten betrachtest: beim Trachtenzwang sind die Trachten gerade (d.h. annähernd parallel zueinander), beim Ballenzwang sind sie jedoch am Kronsaum näher beieinander als am Boden (sie bilden quasi ein umgedrehtes “V”).

Auch die Ursachen sind beim Ballenzwang oft andere als beim Trachtenzwang, nämlich:

 

  • zu lange Seitenwände
  • zu lange (nicht hohe!) Trachten, die häufig untergeschoben sind
  • Beschlag ohne Strahlunterstützung, so dass der Strahl nach unten durch sinkt

 

Zur Beseitigung des Ballenzwangs ist es (genauso wie beim Trachtenzwang) nötig, einerseits die Ursache zu beseitigen und andererseits für eine gute Strahlunterstützung zu sorgen, damit der Strahl den Ballenbereich auseinander drücken kann.

 

Sohlenzwang

Im Gegensatz zum Trachten- und Ballenzwang ist der Sohlenzwang unter Pferdebesitzern eher weniger bekannt. Oftmals benötigt es das geschulte Auge eines Fachmanns, um diese Art von Zwanghuf zu erkennen. Denn beim Sohlenzwang ist der gequetschte Teil nicht so eindeutig ersichtlich, weil sich dabei die Sohle nach innen drückt. Das passiert aber nicht überall gleichmäßig am Huf: in Richtung Zehe “staut” sich das Sohlenhorn nach oben (hier ist also zu viel Sohlenmaterial vorhanden), wohingegen in Richtung Strahlspitze tendenziell zu wenig Sohlenhorn vorhanden ist, weil dort die Lederhaut besonders gequetscht wird.

Durch das viele Material an der Zehenspitze kann sogar die Lage vom Hufbein verändert werden: die Spitze vom Hufbein wird nach oben gedrückt und der Hufbein-Boden-Winkel wird flacher. Dadurch wächst auch das Wandhorn oftmals an der Zehe nicht mehr gerade herunter, sondern leicht konvex (“krallenförmiges Wachstum” oder “Bullnase” genannt).

Die Ursache des Sohlenzwangs ist oftmals eine zu hohe Zehe oder zu kurze Trachten (wodurch der Hufbein-Boden-Winkel zu flach oder gar negativ wird). In jedem Fall sollte das überschüssige Sohlenhorn im Zehenbereich entfernt und die Zehenhöhe so weit wie möglich reduziert werden, damit sich die Sohle wieder entspannen kann.

 

Kronzwang

Die natürliche Form des Pferdehufs entspricht (von vorne betrachtet) einem Kegel: die Hufwand steht nicht gerade im rechten Winkel zum Boden, sondern ist geneigt. Der Huf ist am Kronsaum enger als in Bodennähe, wobei der Wandverlauf gerade ist (also keine “Dellen” oder “Beulen” aufweist). Beim Kronzwang kehrt sich das Wachstum jedoch um: der Huf wächst enger nach unten, d.h. der Huf ist am Kronsaum breiter als die Wand darunter.

Diese Art von Zwanghuf entsteht fast immer durch einen zu engen Beschlag oder zu lange Hufwände. Denn wenn die Hufwand in Bodennähe durch einen Beschlag zu starr fixiert wird, kann sie nicht kegelförmig nach unten wachsen und staucht gegen den Kronsaum, wodurch die Wachstumsrichtung nach innen gelenkt wird. Ebenso verhält es sich mit zu langen Hufen, wenn die Belastung nicht mehr gleichmäßig auf den gesamten Huf verteilt wird, sondern nur noch die Wände die gesamte Last tragen; auch in diesem Fall stauchen die Wände nach oben und drängen das nachwachsende Horn nach innen.

Zwanghufe vorher nachher

 

 

Autorin: Nathalie Kurz

Bilder: Nathalie Kurz, Barbara Stöffl

 

>> Quellen

 

  • https://www.barhufteam.ch/zwanghufe_beim_pferd.html
  • https://www.equine-institut.com/de/hufkrankheiten/zwanghuf.html
  • https://www.dhgev.de/en/hoof-articles/the-contracted-hoof
  • https://proequinegrooms.com/tips/legs-and-hooves/contracted-heels-horses/
  • https://www.theequinedocumentalist.com/post/evidence-based-podiatry
  • http://www.lauenscheid.de/oldpage/html/zwang.php
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