Hoefgezondheid in de Lente

Pferd auf Wiese mit Pferd

Was dein Pferd jetzt wirklich braucht

Die ersten warmen Tage mit Sonne machen Lust auf lange Ausritte, die Pferde strecken die Nase ins frische Grün und die Hufe stehen plötzlich vor einer ganzen Reihe neuer Herausforderungen. Denn was viele unterschätzen: Der Übergang vom Winter zum Frühling ist für den Huf eine der anspruchsvollsten Phasen im Jahreszyklus. Feuchtigkeit, Matsch, Futterumstellung, verändertes Hufwachstum und steigende Belastung treffen gleichzeitig aufeinander.


Dabei gilt ein Grundsatz, der oft zu wenig beachtet wird: Die Hufgesundheit ist ein Spiegelbild der Gesamtgesundheit des Pferdes. Probleme am Huf sind selten isolierte Ereignisse – sie zeigen häufig an, dass im Gesamtsystem etwas nicht stimmt, sei es im Stoffwechsel, in der Haltung oder in der Fütterung.


Dieser Artikel erklärt, warum Hufpflege im Frühling besondere Aufmerksamkeit verdient, welche Probleme typisch sind und was du konkret tun kannst, um die Hufgesundheit deines Pferdes gezielt zu unterstützen. 

Warum der Frühling eine kritische Zeit für Pferdehufe ist

Der Huf ist kein starres Gebilde. Er ist ein funktionelles Organ, das auf Belastung, Untergrund, Stoffwechsel und Umweltbedingungen reagiert. Im Frühling verändern sich all diese Faktoren gleichzeitig und oft schneller, als sich der Huf anpassen kann.


Konkret passiert Folgendes: Die Böden wechseln zwischen nass und trocken, die Fütterung stellt sich von Heu auf Weidegras um, das Hufwachstum beschleunigt sich, die Reitintensität nimmt oft zu und der Fellwechsel beansprucht zusätzlich den Stoffwechsel. Gerade dieser letzte Punkt wird häufig übersehen: Der gleichzeitige Fellwechsel entzieht dem Körper wichtige Baustoffe – Aminosäuren, Mineralien, Spurenelemente –, die auch für das Hufwachstum benötigt werden. Das bedeutet: Der Huf steht im Frühling in direkter Konkurrenz zum Fell um dieselben Ressourcen.


Die Hufgesundheit von Pferden erfordert in dieser Phase deshalb besonders häufige Kontrollen – nicht erst dann, wenn bereits Probleme sichtbar sind. Gezielte, konsequente Pflege hilft, das Horn zu stärken und Erkrankungen wie Hufrehe, Hufabszessen oder Strahlfäule vorzubeugen, bevor sie entstehen.


Kurz gesagt: Wer in dieser Jahreszeit bei der Hufpflege aufmerksam ist, legt das Fundament für ein gesundes Hufjahr.

Hufrehe im Frühling: Das größte Risiko richtig einordnen

Pferd auf Weide mit Goodsmith Klebebeschläge

Warum gerade jetzt die Gefahr am höchsten ist


Das Frühjahr ist die Jahreszeit mit dem höchsten Hufrehe-Risiko. Der Grund: Viele Pferde kommen jetzt wieder auf die Weide und junges Weidegras enthält deutlich höhere Gehalte an sogenannten nicht-strukturierten Kohlenhydraten (NSC) als Heu. Zu diesen NSCs gehören Zucker, Stärke und Fruktan. In größeren Mengen können sie die Darmflora des Pferdes massiv stören und über eine Kaskade metabolischer Reaktionen eine Hufrehe auslösen. Besonders der hohe Fruktangehalt im jungen Gras stellt ein erhebliches Risiko für die empfindliche Huflederhaut dar und muss bei jedem Weidemanagement berücksichtigt werden.


Der Zusammenhang zwischen Wetter und Fruktangehalt


Die NSC-Konzentrationen im Gras sind keine Konstante – sie variieren erheblich, abhängig von Temperatur, Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit sowie Sorte und Wachstumsstadium der Pflanze. Die Höhe und den Nährstoffgehalt des Aufwuchses regelmäßig im Blick zu behalten, ist deshalb ein zentraler Bestandteil eines verantwortungsvollen Weidemanagements.

Einige wichtige Zusammenhänge, die in der Praxis den Unterschied machen:

Die NSC-Konzentrationen im Gras folgen einem komplexen Tagesmuster, das von Temperatur, Sonneneinstrahlung und Wachstumsbedingungen abhängt. Besonders kritisch wird es, wenn die vorangegangenen Nächte noch kalt waren – unter etwa 8 bis 10 °C. Dann kann die Pflanze die tagsüber durch Photosynthese gebildeten Zucker nicht für ihr Wachstum nutzen und speichert sie stattdessen. Die Konzentrationen sind zudem in jungem, kurzem Gras höher als in bereits ausgewachsenem Bewuchs.

Die praktische Konsequenz: Die Hufrehe-Gefahr sinkt deutlich, wenn dein Pferd erst dann auf die Weide kommt, wenn das Gras bereits gut gewachsen ist und die Nachttemperaturen dauerhaft über 10 °C liegen. Als Orientierung: Für stoffwechselgesunde Pferde gilt eine Mindesthöhe von etwa 10 bis 15 cm als gängige Empfehlung; bei hufrehe-gefährdeten Pferden raten viele Fachleute zu einer konservativeren Grenze von 20 bis 30 cm. Ergänzend gilt: Pferde sollten auch nicht auf sehr kurzem Gras unter 5 cm Höhe weiden – einerseits, weil gerade dort die NSC-Konzentrationen besonders hoch sind, und andererseits, weil der Grasnarbe bei zu tiefem Verbiss die Regeneration fehlt. Das schadet sowohl dem Pferd als auch der Weide.

Anweiden: Warum langsam wirklich langsam heißen muss


Das Anweiden im Frühjahr ist essenziell. Die schrittweise Gewöhnung an das frische Gras ist eine der wirksamsten Maßnahmen, um Hufrehe und andere Verdauungsprobleme wie Koliken zu vermeiden. Der Grund: Die Darmflora des Pferdes hat sich über den Winter an die Heufütterung angepasst. Die plötzliche Umstellung auf fruktan-, zucker- und stärkereichen Weidegang kann die Mikrobiom-Balance im Dickdarm kippen – mit potenziell schwerwiegenden Folgen.

Ein bewährtes Vorgehen sieht so aus: Beginne mit 10 bis 15 Minuten Weidegang pro Tag und steigere in Schritten von etwa 10 Minuten alle zwei bis drei Tage. Füttere immer Heu vor dem Weidegang, damit das Pferd nicht mit leerem Magen ins Gras geht. Beobachte dein Pferd dabei genau – weicher Kot oder veränderte Kotkonsistenz sind ein Warnsignal, langsamer vorzugehen.

Plane für den gesamten Anweideprozess mindestens drei bis vier Wochen ein, bevor dein Pferd längere Weidezeiten bekommt. Diese kontrollierte Vorgehensweise senkt nicht nur das Hufrehe-Risiko erheblich, sondern verringert auch die Kolikgefahr durch die Futterumstellung.


Gewichtskontrolle: Unterschätzter Faktor bei Weidestart


Ein Aspekt, der beim Thema Anweiden oft zu kurz kommt: die Gewichtskontrolle. Frisches Frühlingsgras ist energiereich, und viele Pferde nehmen bei unkontrolliertem Weidegang in kurzer Zeit deutlich zu. Diese rasche Gewichtszunahme erhöht das Risiko für metabolisch bedingte Hufrehe erheblich.

Überprüfe den Body Condition Score deines Pferdes zu Beginn der Weidesaison und kontrolliere ihn im Zwei-Wochen-Rhythmus. Pferde, die bereits über den Winter zugelegt haben, brauchen ein besonders striktes Weidemanagement. Ein Equines Metabolisches Syndrom (EMS) kann sich durch unkontrollierte Gewichtszunahme erstmals manifestieren oder verschärfen – mit direkten Konsequenzen für die Hufgesundheit.

Pferd grast auf Wiese

Weitere Hufrehe-Risikofaktoren im Frühling


Hufrehe entsteht nicht ausschließlich durch Gras. Gerade im Frühling kommen weitere Risikofaktoren zusammen:

Wurmkuren und Medikamente: Viele Pferde werden im Frühjahr entwurmt. Was weniger bekannt ist: Bestimmte Antiparasitika können – insbesondere bei hohem Wurmbefall und dem daraus resultierenden massiven Absterben von Parasiten – eine Endotoxämie und damit eine Hufrehe auslösen. Die Lösung ist nicht, auf Entwurmung zu verzichten, sondern auf selektive Entwurmung zu setzen. Dabei werden regelmäßig Kotproben untersucht, um festzustellen, welche Parasiten tatsächlich vorhanden sind und ob eine Behandlung nötig ist.

Metabolisches Syndrom und Cushing: Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) oder Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID, früher Cushing) haben ein grundsätzlich erhöhtes Hufrehe-Risiko. Im Frühling potenziert sich dieses Risiko durch das zuckerreiche Gras. Bei Risikopatienten sollte der Weidegang besonders streng reguliert oder in akuten Phasen vollständig eingeschränkt werden – in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt.

Pferd mit Cushing

Hufwachstum und Abrieb: Das Gleichgewicht verschiebt sich

Pferd ausreiten mit Goodsmith

Warum Hufe im Frühling anders wachsen


Das Hufwachstum folgt einem saisonalen Rhythmus. Im Winter ist die Wachstumsrate deutlich reduziert, im Frühling steigt sie mit zunehmender Tageslichtdauer, steigenden Temperaturen und verbesserter Nährstoffversorgung durch frisches Weidegras wieder an. Das Hufhorn wächst jetzt oft spürbar schneller – was regelmäßige Kontrollen durch den Hufschmied oder Hufpfleger umso wichtiger macht.

Allerdings geschieht die Umstellung nicht von heute auf morgen – und genau darin liegt das Problem. In den ersten Wochen des Frühlings wachsen die Hufe noch im „Wintermodus", während sich die Belastung durch vermehrtes Reiten, Ausritte auf härteren Böden und längere Weidezeiten bereits erhöht hat. Das Resultat: Der Abrieb kann vorübergehend das Wachstum übersteigen.


Wenn die Hufe schneller verschleißen als sie nachwachsen

Dieses Ungleichgewicht zeigt sich besonders bei Barhufpferden, die jetzt wieder intensiver geritten werden. Typische Anzeichen sind zunehmende Fühligkeit auf steinigem Untergrund, sichtbar kürzer werdende Hufwände oder eine Sohle, die flacher wird als gewünscht.

Grundsätzlich gilt: Barhuf ist die natürlichste Form für das Pferd und ermöglicht eine optimale Bewegungsdynamik, weil der Hufmechanismus uneingeschränkt arbeiten kann. In der Übergangsphase des Frühlings kann es trotzdem sinnvoll sein, den Huf temporär zu unterstützen – nicht als Dauerlösung, sondern als gezieltes Werkzeug für die Zeit, in der das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Abrieb noch nicht stimmt. Die verschiedenen Optionen dafür werden im Abschnitt „Hufschutz im Frühling" weiter unten beschrieben.


Nasser Frühling: Erhöhter Abrieb durch Feuchtigkeit

Besondere Vorsicht ist bei einem nassen Frühling geboten. Durchfeuchtetes Horn ist weicher und nutzt sich schneller ab – ein Effekt, den viele Pferdebesitzer erst bemerken, wenn die Hufe bereits zu kurz geworden sind.

Das betrifft vor allem Pferde im Offenstall, die sich über stark befestigte Bereiche bewegen: betonierte Stellen um die Heuraufe, Schotterflächen oder rauer Asphalt auf Verbindungswegen. Auf diesen Oberflächen kann nasses Horn in kurzer Zeit erheblich abgetragen werden.

Praxistipp: Sprich frühzeitig mit deinem Hufbearbeiter über die Abriebsituation und plane die Bearbeitungsintervalle im Frühling gegebenenfalls enger. Bei stark abriebgefährdeten Pferden ist ein temporärer Hufschutz die sicherste Lösung, um die Hufe durch diese Phase zu bringen.

Feuchtigkeit und Hornqualität: Strahlfäule, Hufabszesse und Hornspalten

Der Feuchtigkeitswechsel als unterschätztes Problem


Wechselnde Bodenverhältnisse gehören zum Frühling. Matschige Paddocks, nasse Wiesen und dann wieder trockene, sonnige Tage – dieser ständige Wechsel zwischen Nässe und Trockenheit ist für das Hufhorn eine enorme Belastung. Horn, das wiederholt aufquillt und wieder austrocknet, verliert an Elastizität und wird spröde. Risse in der Hufwand und Hornspalten können die Folge sein.

Die Feuchtigkeitsbalance der Hufe aktiv zu unterstützen, ist deshalb im Frühling besonders wichtig. Bei Pferden, die auf dauerhaft trockenem Boden stehen und deren Hufe zum Austrocknen neigen, kann tägliches kurzes Wässern der Hufe – etwa beim Abspritzen der Beine nach dem Reiten – helfen, die Elastizität zu erhalten. Wichtig dabei: Feuchtigkeit ja, Dauernässe nein. Zu feuchte Hufe sind genauso problematisch wie zu trockene.


Strahlfäule: Im Frühling besonders häufig

Strahlfäule ist keine reine Winterkrankheit. Sie tritt gerade im Übergang zum Frühling besonders häufig auf, weil sich viele Pferde über Wochen und Monate in feuchtem Untergrund bewegt haben. Die Fäulnisbakterien finden im feuchten, sauerstoffarmen Milieu der Strahlfurchen ideale Vermehrungsbedingungen.

Erkennbar ist Strahlfäule am charakteristischen fauligen Geruch beim Auskratzen, an einer schwarz-schmierigen Masse in den Strahlfurchen und an einem weicher werdenden, sich auflösenden Strahl.

Was bei Strahlfäule wirklich hilft: Tägliches gründliches Auskratzen und Reinigen der Hufe – das klingt banal, ist aber die wichtigste Einzelmaßnahme. Dazu eine trockene, saubere Haltungsumgebung: Die Einstreu im Stall sollte stets trocken sein, Boxen und Ausläufe müssen regelmäßig abgemistet werden – Ammoniak aus Urin und Kot greift das Hufhorn zusätzlich an. Bei bestehendem Befall ist die Behandlung mit geeigneten desinfizierenden Mitteln angezeigt.

Wichtig: Huföl oder Hufteer bei Strahlfäule unbedingt vermeiden. Beide bilden einen luftdichten Film, der Feuchtigkeit einschließt und den Bakterien optimale Bedingungen bietet.


Hufabszesse: Häufig im Frühling – und oft unterschätzt

Hufabszesse treten im Frühling vermehrt auf, weil die wechselnden Feuchtigkeitsbedingungen dafür sorgen, dass Bakterien leichter in das Hufinnere eindringen können. Wenn das Horn durch Nässe aufweicht, können Keime über kleine Risse in der weißen Linie, über Nagellöcher oder über Sohlendefekte ins Gewebe gelangen. Dort bildet sich eine eitrige Entzündung, die durch den Druck im geschlossenen Hufschuh starke Schmerzen verursacht.

Typische Anzeichen sind eine plötzlich einsetzende, oft hochgradige Lahmheit, erhöhte Wärme am betroffenen Huf und eine verstärkte Pulsation an den Fesselarterien. Anders als bei Hufrehe ist in der Regel nur ein einzelner Huf betroffen.

Die wichtigste Maßnahme bei Verdacht auf einen Hufabszess: Den Hufbearbeiter oder Tierarzt hinzuziehen, um den Abszess fachgerecht zu öffnen und den Eiter abfließen zu lassen. Vorbeugend helfen dieselben Maßnahmen, die auch gegen Strahlfäule wirken: trockene, saubere Haltungsbedingungen, regelmäßiges Auskratzen und eine intakte Hufstruktur ohne Risse in der weißen Linie.


Vorbeugen ist besser als behandeln

Die beste Prophylaxe gegen Strahlfäule, Hufabszesse und andere feuchtigkeitsbedingte Hufprobleme besteht aus drei Säulen: konsequente Hygiene (regelmäßig ausmisten, trockene Liegeflächen schaffen), tägliche Hufpflege (Auskratzen, Kontrolle) und ausreichend Bewegung auf verschiedenen Untergründen. Regelmäßige Bewegung fördert über den Hufmechanismus die Durchblutung im Huf und unterstützt die Bildung von widerstandsfähigem Strahlhorn. Pferde, die sich ausreichend und auf unterschiedlichen Böden bewegen, entwickeln deutlich seltener Hufprobleme als Pferde mit Bewegungsmangel.



Hufqualität von innen verbessern: Ernährung und Nährstoffversorgung

Pferde Mineralfutter

Warum der Frühling ein guter Zeitpunkt für eine Fütterungsbilanz ist

Das Hufhorn wächst ständig nach – und die Qualität des nachwachsenden Horns hängt direkt von der Nährstoffversorgung ab. Der Frühling ist aus zwei Gründen ein idealer Zeitpunkt, die Fütterung kritisch zu betrachten: Erstens beansprucht der Fellwechsel den Stoffwechsel enorm und entzieht dem Körper genau jene Baustoffe, die auch der Huf für sein Wachstum braucht. Zweitens sieht man jetzt im Hornwachstum oft die Auswirkungen einer möglicherweise suboptimalen Winterfütterung – etwa in Form von Rillen, brüchigem Horn oder einer weichen Sohle.


Welche Nährstoffe für den Huf entscheidend sind


Die wichtigsten Nährstoffe für die Hufqualität sind gut erforscht:

  • Biotin fördert nachweislich die Bildung von stabilem Hufhorn. Die gezielte Zufütterung von Biotin kann die Hufqualität und Stabilität gerade während des Fellwechsels spürbar unterstützen, wenn der Körper ohnehin unter erhöhtem Nährstoffbedarf steht. Allerdings zeigt die Forschung, dass Biotin über mehrere Monate konsequent gefüttert werden muss, bevor sich eine sichtbare Verbesserung einstellt – je nach Studie werden Zeiträume von 8 bis 15 Monaten genannt. Schnelle Wunder sind hier nicht zu erwarten.
  • Zink ist essenziell für die Keratinbildung und die allgemeine Hornqualität. Ein Mangel macht den Huf anfälliger für Infektionen und führt zu minderwertigem Horn. Die kombinierte Zufütterung zusammen mit Biotin ist besonders in der Fellwechselphase sinnvoll, weil beide Nährstoffe synergistisch auf die Hornproduktion wirken.
  • Kupfer unterstützt die Quervernetzung der Keratinfasern und damit die Festigkeit des Hufhorns. Zusammen mit Zink ergibt sich eine synergistische Wirkung auf die gesamte Hufstruktur.
  • Methionin als schwefelhaltige Aminosäure ist ein zentraler Baustein für Keratin und damit für widerstandsfähiges Hufhorn.
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren tragen zur Geschmeidigkeit und Elastizität des Horns bei und unterstützen eine gesunde Hornstruktur.

Die Kehrseite: Was dem Huf schadet

Nicht nur Mängel, auch eine Überversorgung kann problematisch sein. Zu viel Zucker und Stärke – gerade im Frühling durch zuckerreiches Weidegras aktuell – belasten den Stoffwechsel und können die Hornqualität negativ beeinflussen. Eine faserreiche, zucker- und stärkereduzierte Grundfütterung bildet die Basis für gesundes Hufwachstum.

Praxistipp: Wenn du unsicher bist, ob dein Pferd optimal versorgt ist, lass ein Blutbild erstellen. So lassen sich Mängel gezielt identifizieren und durch ein hochwertiges Mineralfutter ausgleichen – statt auf Verdacht Ergänzungen zu füttern.

Hufbearbeitung im Frühling: Intervalle anpassen

Warum starre Zyklen im Frühling problematisch sind


Viele Pferdebesitzer halten an festen Bearbeitungsintervallen fest – alle sechs bis acht Wochen, das ganze Jahr über. Diese Richtlinie ist grundsätzlich vernünftig, funktioniert im Frühling aber oft nicht optimal, weil sich die Wachstumsrate des Hufs gerade verändert.

In der Praxis bedeutet das: Im Spätwinter kann der Huf mit einem 8-Wochen-Intervall gut zurechtkommen, weil wenig nachwächst. Im Frühling kann das gleiche Intervall dazu führen, dass der Huf zu lang wird und Hebelkräfte auf die Hufwand wirken – ein Risikofaktor für Hornspalten und Fehlbelastungen.


Worauf es jetzt ankommt

Die Hufschmied-Intervalle sollten dem verstärkten Hufwachstum im Frühjahr angepasst werden. Viele Profis empfehlen, im Übergang auf 5- bis 6-Wochen-Zyklen zu wechseln und die Intervalle im Sommer dann nach Bedarf wieder anzupassen. Das regelmäßige Ausschneiden oder Beraspeln der Hufe hilft, die Balance des Hufs aufrechtzuerhalten und Fehlbelastungen durch übermäßig langes Horn zu vermeiden.

Achte bei der Bearbeitungskontrolle besonders auf: die Balance des Hufs, die Tragrandhöhe, den Zustand des Strahls und die Sohlenwölbung.

Hufbearbeiter Goodsmith

Haltung und Untergrund: Den Huf im Frühling richtig unterstützen

Offenstall, Paddock und Weide – worauf es bei den Böden ankommt

Die Haltungsbedingungen haben einen enormen Einfluss auf die Hufgesundheit – und im Frühling verschieben sich die Verhältnisse. Wer sein Pferd im Offenstall hält, kennt das Problem: Nach dem Winter sind die Ausläufe oft matschig, verdichtet und in manchen Bereichen steht das Wasser. Das ist Gift für den Huf.

Für eine hufgesunde Haltung im Frühling solltest du sicherstellen, dass es trockene Steh- und Liegeflächen gibt, dass matschige Bereiche nach Möglichkeit entwässert oder befestigt werden, dass befestigte Bereiche (Beton, Schotter) nicht zu viel Abrieb verursachen und dass es Bereiche mit verschiedenen Untergründen gibt – das fördert den Hufmechanismus und die Hornqualität.


Der Übergang zur Weidehaltung

Nicht nur fütterungstechnisch, auch aus Hufsicht will der Weidegang gut geplant sein. Feuchter Weideboden weicht die Hufe auf, was die Abriebrate erhöht und das Horn anfälliger für Risse macht. Umgekehrt kann trockener, harter Boden nach langer Standzeit auf weichem Untergrund zu Fühligkeit führen.

Idealerweise kombinierst du den Weidegang mit dem Zugang zu befestigten, trockenen Bereichen, auf denen der Huf zwischendurch abtrocknen kann. Die Empfehlungen zum richtigen Zeitpunkt und zur Mindesthöhe des Grases findest du im Abschnitt „Hufrehe im Frühling" weiter oben.

Pferd mit Klebebeschläge in hoher Wiese

Hufschutz im Frühling: Wann er sinnvoll ist und welche Optionen es gibt

Wann temporärer Hufschutz die richtige Wahl ist

Nicht jedes Pferd braucht im Frühling Hufschutz – aber für viele ist er in dieser Übergangsphase die klügere Lösung, als die Hufe einfach „durchzureiten". Temporärer Hufschutz ist besonders sinnvoll, wenn das Hufwachstum noch nicht mit der steigenden Belastung Schritt hält, wenn das Pferd auf abrasiven Untergründen fühliger wird, wenn Hornqualität und -substanz nach dem Winter reduziert sind oder wenn ein nasser Frühling die Hufe aufweicht und den Abrieb erhöht.


Welche Möglichkeiten gibt es?

Hufschuhe eignen sich hervorragend für den temporären Einsatz bei Ausritten oder in bestimmten Trainingssituationen. Sie werden vor dem Reiten angelegt und danach wieder abgenommen. Das ist besonders praktisch in der Übergangszeit, weil du flexibel entscheiden kannst, wann dein Pferd Schutz braucht und wann nicht.

Goodsmith Hufschuhe

Klebebeschlag ist eine moderne Alternative zu traditionellen Hufeisen und bietet dauerhaften Schutz über eine Bearbeitungsperiode, ohne die Hufwand durch Nägel zu beanspruchen. Die Befestigung erfolgt über ein Klebeverfahren, das den Hufmechanismus weitgehend erhält. Für Pferde, die im Frühling dauerhaft erhöhten Schutz benötigen – etwa bei intensiverem Training oder sehr abrasiven Böden – kann ein Klebebeschlag für ein oder zwei Perioden die passende Lösung sein.

Goodsmith Klebebeschläge auf steinigen Boden

Beide Systeme haben den Vorteil, dass sie sich in den barhuforientierten Ansatz integrieren lassen. Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um die passende Lösung für die aktuelle Situation des Pferdes.

Tägliche Hufpflege-Routine im Frühling: Eine Checkliste

Gute Hufpflege ist keine Geheimwissenschaft – aber Konsequenz macht den Unterschied. Tägliches Auskratzen der Hufe ist die absolute Grundlage, um Fremdkörper zu entfernen, Verletzungen früh zu erkennen und Infektionen vorzubeugen. Im Frühling verdienen die folgenden Punkte darüber hinaus besondere Aufmerksamkeit:

  • Täglich: Hufe gründlich auskratzen und dabei auf Geruch, Farbe und Konsistenz des Strahls achten. Fremdkörper wie Steine, Äste oder eingetretenes Material entfernen – sie können sich in die Sohle oder die weiße Linie drücken und die Huflederhaut verletzen. Hufwand auf Risse oder Ausbrüche kontrollieren. Wärme und Pulsation an den Fessel- und Ballenarterien prüfen – beides kann ein Frühzeichen für eine beginnende Hufrehe oder einen Hufabszess sein.

  • Wöchentlich: Sohle und Strahl genauer inspizieren. Feuchtigkeitshaushalt des Hufs einschätzen – ist das Horn zu weich  oder zu trocken? Hufpflege ggf. anpassen: Bei zu trockenen Hufen kann kurzes Wässern helfen; bei zu feuchten Hufen ist Trocknung und Belüftung wichtiger als jedes Pflegemittel.

  • Bei der Bearbeitung (alle 5–8 Wochen): Mit dem Hufbearbeiter über Hufbalance, Abriebsituation und Schutzbedarf sprechen. Hornqualität und Wachstumsrate besprechen. Bearbeitungsintervall an die aktuelle Wachstumsphase anpassen.

FAQ: Häufige Fragen zur Hufpflege im Frühling

Was ist die größte Gefahr für Pferdehufe im Frühling?

Hufrehe, ausgelöst durch unkontrollierten Weidegang auf fruktanreichem Junggras. Besonders gefährdet sind Pferde mit Stoffwechselerkrankungen (EMS, PPID) und übergewichtige Pferde.

Wie lange sollte das Anweiden im Frühling dauern?

Mindestens drei bis vier Wochen. Starte mit 10 bis 15 Minuten täglich, steigere langsam und füttere immer Heu vor dem Weidegang.

Wann darf mein Pferd im Frühling auf die Weide?

Warte, bis das Gras mindestens 10 bis 15 cm hoch ist (für Risikopatienten 20 bis 30 cm) und die 

Wie erkenne ich Strahlfäule bei meinem Pferd?

Am fauligen Geruch beim Auskratzen, an schwarz-schmieriger Masse in den Strahlfurchen und an einem weich werdenden, sich auflösenden Strahl.

Wie erkenne ich einen Hufabszess?

An plötzlicher, oft hochgradiger Lahmheit an einem einzelnen Huf, erhöhter Wärme und verstärkter Pulsation an den Fesselarterien. Bei Verdacht den Hufbearbeiter oder Tierarzt hinzuziehen.

Welche Nährstoffe braucht mein Pferd für gesunde Hufe?

Biotin, Zink, Kupfer, Methionin und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Gerade im Fellwechsel ist die gezielte Zufütterung von Biotin und Zink besonders sinnvoll.

Braucht mein Barhufpferd im Frühling Hufschutz?

Nicht zwingend, aber oft sinnvoll – besonders wenn das Hufwachstum noch im „Wintermodus" ist, die Belastung aber bereits steigt. Hufschuhe oder ein Klebebeschlag lassen sich temporär einsetzen und problemlos wieder absetzen.

Wie oft sollten die Hufe im Frühling bearbeitet werden?

Im Frühling empfehlen viele Hufbearbeiter kürzere Zyklen von 5 bis 6 Wochen statt der üblichen 6 bis 8 Wochen, um Hebelkräfte durch zu langes Horn zu vermeiden.

Kann eine Wurmkur Hufrehe auslösen?

Ja, indirekt. Bei starkem Befall kann das massenhafte Absterben von Parasiten eine Endotoxinfreisetzung auslösen, die Hufrehe begünstigen kann. Selektive Entwurmung auf Basis von Kotproben minimiert dieses Risiko.

Warum sollte ich das Gewicht meines Pferdes im Frühling kontrollieren?

Frisches Weidegras ist energiereich und kann zu rascher Gewichtszunahme führen. Übergewicht ist ein eigenständiger Risikofaktor für metabolisch bedingte Hufrehe.

Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Literatur

Die Aussagen in diesem Artikel basieren auf dem aktuellen Stand der veterinärmedizinischen und ernährungswissenschaftlichen Forschung. Im Folgenden findest du die wichtigsten Studien und Fachartikel als Referenz – geordnet nach Themenbereich.

Hufrehe, Fruktan und nicht-strukturelle Kohlenhydrate (NSC)

Longland, A.C. & Byrd, B.M. (2006): Pasture Nonstructural Carbohydrates and Equine Laminitis. The Journal of Nutrition, 136(7), 2099S–2102S. DOI: 10.1093/jn/136.7.2099S

Geor, R.J. (2010): Current Concepts on the Pathophysiology of Pasture-Associated Laminitis. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 26(2), 265–276. DOI: 10.1016/j.cveq.2010.06.001

Geor, R.J. (2009): Pasture-Associated Laminitis. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 25(1), 39–50. DOI: 10.1016/j.cveq.2008.11.004

Equines Metabolisches Syndrom (EMS), Insulinresistenz und Übergewicht

Johnson, P.J. et al. (2010): Laminitis and the Equine Metabolic Syndrome. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 26(2), 239–255. DOI: 10.1016/j.cveq.2010.04.004

Morgan, R.A. et al. (2020): Equine Metabolic Syndrome in UK Native Ponies and Cobs Is Highly Prevalent with Modifiable Risk Factors. Equine Veterinary Journal, 53(3), 482–491. PMID: 33128277

Carter, R.A. et al. (2009): Prediction of Incipient Pasture-Associated Laminitis from Hyperinsulinaemia, Hyperleptinaemia and Generalised and Localised Obesity in a Cohort of Ponies. Equine Veterinary Journal, 41(2), 171–178.

Saisonales Hufwachstum

Lewis, S.L. et al. (2014): Effect of Season on Travel Patterns and Hoof Growth of Domestic Horses. Journal of Equine Veterinary Science, 34(7), 918–922. DOI: 10.1016/j.jevs.2014.05.003

Lewis, S.L. et al. (2019): The Effect of Season on Muscle Growth, Fat Deposition, Travel Patterns, and Hoof Growth of Domestic Young Horses. Journal of Equine Veterinary Science, 83, 102786. DOI: 10.1016/j.jevs.2019.102786

Biotin und Hufqualität

Josseck, H., Zenker, W. & Geyer, H. (1995): Hoof Horn Abnormalities in Lipizzaner Horses and the Effect of Dietary Biotin on Macroscopic Aspects of Hoof Horn Quality. Equine Veterinary Journal, 27(3), 175–182.

Buffa, E. et al. (1992): Effect of Dietary Biotin Supplement on Equine Hoof Horn Growth Rate and Hardness. Equine Veterinary Journal, 24(6), 472–474. PMID: 1459062

Geyer, H. & Schulze, J. (1994): The Long-Term Influence of Biotin Supplementation on Hoof Horn Quality in Horses. Schweizer Archiv für Tierheilkunde, 136(4), 137–149. PMID: 8202678

Reilly, J.D. et al. (1998): Effect of Supplementary Dietary Biotin on Hoof Growth and Hoof Growth Rate in Ponies: A Controlled Trial. Equine Veterinary Journal Supplement, 26, 51–57.

Zink, Kupfer und Hornqualität

Coenen, M. (1997): Untersuchung zur Hornfestigkeit und Zinkgehalt im Hufhorn.

Übersichtsarbeiten und Epidemiologie

Wylie, C.E. et al. (2011): Frequency of Equine Laminitis: A Systematic Review with Quality Appraisal of Published Evidence. Veterinary Journal, 189(3), 248–256.

Durham, A.E. et al. (2019): ECEIM Consensus Statement on Equine Metabolic Syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine, 33(2), 335–349.

Treiber, K.H. et al. (2006): Evaluation of Genetic and Metabolic Predispositions and Nutritional Risk Factors for Pasture-Associated Laminitis in Ponies. Journal of the American Veterinary Medical Association, 228(10), 1538–1545.


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